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Myanmar – Reise in ein außergewöhnliches Land

Myanmar – Februar und März 2014



Das war Myanmar. 31 Tage, 9 Stationen, unzählige Erlebnisse. Gern wären wir länger geblieben.

Während wir mit dem Flugzeug abheben und uns auf eine neue spannende Reise begeben, werfen wir einen letzten Blick auf die goldglänzende Shwedagon-Pagode und werden ein wenig melancholisch. Die Abreise aus Myanmar ist für uns gleichzeitig ein Abschied von einer langen, aufregenden Zeit in Südostasien. Die vergangenen acht Monate haben uns stark geprägt und unser Leben verändert.


Myanmar – ein Geheimtipp?!
Myanmar wird uns dabei für immer besonders in Erinnerung bleiben. Noch nie zuvor hatten wir von diesem Land im äußersten Norden Südostasiens gehört. Seit der Umbenennung 2011 verwirren die verschiedenen Bezeichnungen. Myanmar, Birma oder Burma? Auf unserer Reiseliste stand es ebenso wenig. Und doch konnten wir uns diesem Land nicht entziehen. Myanmar boomt. Längst hat die Tourismusbranche dieses lange vergessene Land für sich entdeckt und macht kräftig Werbung. In kürzester Zeit pilgerten hunderte Touristen in diesen Teil der Erde. Tendenz steigend (Anzahl Touristen: 2001 - 208.000, 2011 - 816.000, 2012 - über 1 Mio., 2013 - über 2 Mio., 2014 - über 3 Mio.). Von keinem anderen Land wurde uns während der Reise durch Südostasien häufiger vorgeschwärmt. Reisende lobten vor allem die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen. Myanmar sei ein Land, das sich noch seinen eigenen Charme bewahren konnte. Doch keiner weiß, wie sich die Situation entwickeln wird. Und so buchten wir kurzerhand einen Flug und erkundeten diesen Ort auf eigene Faust.


Vor allem die fünf folgenden Orte und Aktivitäten haben uns begeistert:

Tempelerkundung in Bagan: Das Tempelareal Bagans gehört zweifellos zu den architektonischen Meisterleistungen Südostasiens. Das 40 km² große Gebiet zählt mit mehr als 2.000 Tempeln zu den größten archäologischen Stätten in Südostasien. Wer noch im Dunkeln auf eine der verlassenen Pagoden klettert und den atemberaubenden Sonnenaufgang über dem Tempelfeld erlebt, wird diesen Moment garantiert nie vergessen!
Mit dem Zug nach Hsipaw: Auch die Zugfahrt von Pyin U Lwin nach Hsipaw werden wir nicht mehr vergessen. Zwischen Reissäcken, Gemüse, Obst und Hühnern ging es in der Holzklasse auf zu einer abenteuerlichen Fahrt. Highlight neben der ausgelassenen Stimmung im Zug war die Überquerung des berühmten Gokteik-Viadukts.
Fahrradtour rund um Mandalay: Mit dem Fahrrad raus aus Mandalay und rein ins Vergnügen. Anstrengend und kräftezehrend? Definitiv! Doch es gibt so viel zu entdecken – wuselige Märkte mit fremden Gerüchen und bunten Farben, Kinder, die am Straßenrand spielen, Bauern, die die Felder mit einfachsten Werkzeugen und uralten Bullenkarren bestellen. Besonders die Strecke von Mandalay über Sagaing nach Mingun ist empfehlenswert. Zurück geht es zum Sonnenuntergang völlig entspannt mit einem kleinen Boot.
Wanderung mit Volksfest: Eine Wanderung in die Berge rund um Hsipaw gehört zu den Highlights unserer Myanmarreise. In einem abgelegenen Shan-Dorf übernachteten wir bei einer einheimischen Familie und nahmen überraschenderweise an einem traditionellen Fest teil.
Sonnenaufgang auf dem Inle-See: Längst ist die Region um den Inle-See kein Geheimtipp mehr. Wer nach Myanmar reist, sollte den Inle-See unbedingt auf seine Reiseliste setzen, denn mit seiner wunderschönen Lage und den einzigartigen Einbeinruderern ist er mit keinem anderen Reiseziel im Land vergleichbar. Besonders eine Bootstour zum Sonnenaufgang ist ein unvergessliches Erlebnis!
Binnen weniger Tage wurde Myanmar zu unserem Favoriten. Noch unterscheidet es sich stark von anderen südostasiatischen Ländern wie Vietnam und Thailand. Partyhungrige und Sonnenanbeter haben das Land noch nicht für sich entdeckt. Myanmar ist faszinierend, außergewöhnlich und abenteuerlich. Hinter jeder Ecke gibt es etwas Spannendes zu entdecken. Die individuelle Reise ist noch nicht ganz so einfach wie in anderen Teilen Südostasiens, Gasthäuser oft überfüllt, Sehenswürdigkeiten nicht ausgeschildert. Noch immer sind Teile des Landes für Touristen unzugängig. Manche Städte ertrinken im Dreck, Staub und Müll. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, man fühlt sich um Jahrzehnte zurück versetzt und erhält einen eindrucksvollen Einblick in ein Leben wie vor 100 Jahren.


Myanmar auf dem Weg in die Zukunft
Doch das scheint nicht verwunderlich, wirft man einen Blick auf die Geschichte des Landes. Unabhängig seit 1948 wurde Myanmar, damals noch Birma bzw. Burma, über viele Jahre hinweg von verschiedenen Militärregimen kontrolliert und außenpolitisch in die totale Isolation geführt. Das Land litt unter einer desolaten Wirtschaft, politischer Instabilität sowie brutalen Übergriffen auf Minderheiten und Oppositionelle.
Doch am eindrucksvollen Wirtschaftsboom Südostasiens wollte auch Myanmar teilhaben. So begann das Militär Myanmar für ausländische Investoren attraktiv zu machen. Das desolate Verkehrsnetz wurde erweitert, politische Stabilität war das Ziel. Letzteres sollte jedoch durch das gewaltvolle Unterdrücken jeglicher Opposition erreicht werden. Proteste und Unruhen wurden gewaltsam niedergeschlagen. Außer einem neuen Namen änderte sich nicht viel (1989 wurde aus Birma Myanmar).
Eine wirkliche Wende gelang erst 2010 mit den ersten Wahlen nach 20 Jahren. Infolge dessen wurde Thein Sein zum ersten zivilen Präsidenten Myanmars. Anfänglich mit großer Skepsis betrachtet, leitete er bald umfangreiche Reformen ein. Hunderte politische Gefangene wurden entlassen, die Zensur gelockert und das Versammlungsverbot abgeschafft. Ein Demokratisierungsprozess wurde in Gang gesetzt. Nach und nach öffnete sich das Land auch nach außen. Touristen wurden willkommen geheißen. Es war nun möglich ein 4-wöchiges Visum für Myanrmar zu erhalten. Weitere einschneidende Veränderungen werden wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, doch hoffentlich ist das Land auf dem richtigen Weg.


Myanmars eigener Charme
Und so ist Myanmar ein Land, das noch immer in der Vergangenheit lebt. Die Myanmarer erhalten ihre jahrhundertealten Traditionen aufrecht. Noch hat sich das Land seinen eigenen Charme bewahrt. Frauen bereiten die Mahlzeiten noch immer über Feuerstellen zu, Bauern bestellen ihre Felder mit bloßen Händen, einfachsten Werkzeugen und tonnenschweren Ochsen, Frauen und Kinder waschen sich und ihre Kleidung am Brunnen im Dorf oder am nahegelegenen Fluss, Pferdekutschen dienen als Fortbewegungsmittel.

Und so waren es letztlich nicht die Sehenswürdigkeiten, die Landschaft oder das Essen, sondern die Menschen und ihr alltägliches Leben, die uns fasziniert haben. Die strahlenden Gesichter und zahlreichen Gespräche haben unsere Reise einzigartig und unvergesslich gemacht. Selten sind wir freundlicheren, aufgeschlosseneren und neugierigeren Menschen in Südostasien begegnet.

Myanmar hat uns begeistert, vom ersten Tag an, und wir sind überzeugt, eines Tages wieder zurückzukehren.

Kommentare:

  1. WOW. Eure Myanmar-Reiseberichte sind super, und auch die Bilder dazu. Werde mir über Ostern direkt mal Eure Australien-Berichte durchlesen.

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Myanmar war aber auch einfach traumhaft :-). Liebe Grüße, Nicki

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