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Mawlamyaing – gemütliches Städtchen am Thanlwin-Fluss

Mawlamyaing (Mawlamyine, Moulmein), Myanmar – März 2014



Mit mehr als 300.000 Einwohnern ist Mawlamyaing nach Yangon und Mandalay die drittgrößte Stadt Myanmars und der wichtigste Handels- und Warenumschlagplatz im Südosten des Landes. Doch auch mit einer vergleichsweise großen Bevölkerung, überrascht der Ort durch seine beschauliche und lockere Atmosphäre. Zudem liegt er, wie die meisten Reiseziele im südöstlichen Myanmar, abseits der gängigen Touristenroute und bietet einen entspannten Aufenthalt. Ebenso wie die nicht weit entfernte Kleinstadt Hpa-an, lädt Mawlamyaing zu gemütlichen Spaziergängen am Flussufer und Erkundungstouren in die Umgebung ein. Du solltest einfach mal die Seele baumeln lassen und verloren gehen…


Entspannte Anreise per Boot
Reist du aus der nahe gelegenen, verträumten Kleinstadt Hpa-an an, solltest du bereits in der richtigen Stimmung sein. Zudem bietet sich dann eine der spannendsten Arten der Anreise an: eine Bootstour auf dem Thanlwin.
Buchbar ist die Tour völlig unkompliziert einen Tag vor Abreise in den meisten Gasthäusern Hpa-ans, z. B. dem Soe Brothers Hostel. Im Preis von ca. 8.000 Kyat sind in der Regel der Transport zur Anlegestelle sowie die Schiffsfahrt selbst enthalten. Normalerweise handelt es sich um ein kleines flaches Holzboot mit Überdachung, auf dem sechs bis acht Plastikstühle, oder in der Luxusausführung ausrangierte Autositze, Platz finden. Ein paar kleine Snacks und genügend Wasser solltest du unbedingt selbst mitbringen, um später auf dem Wasser ein kleines Picknick genießen zu können. Je nach Stand des Flusses kann die Bootsfahrt zwischen zwei und drei Stunden dauern. Am besten im Gasthaus erfragen.
Doch langweilig wird dir bestimmt nicht. Die Reise führt vorbei an zahlreichen Feldern und Dörfern. Das ein oder andere Fischerboot kreuzt deinen Weg und am Ufer geht das Leben seinen Lauf. Einheimische waschen sich und ihre Kleidung im Wasser, Kinder rennen umher, Ochsen helfen bei der Ernte. Leise tuckert der Motor, das Boot schwimmt den Fluss hinunter und eine laue Brise weht dir um die Nase.    
Die Tour ist übrigens auch in umgekehrter Richtung möglich, dauert dann allerdings etwas länger.




Ein Spaziergang durch Mawlamyaing
Angekommen in Mawlamyaing heißt es, im Hotel deiner Wahl eincheckten und weiter entspannen. Mittlerweile bietet die Stadt genügend Unterkünfte in allen Kategorien. Von der einfachen Backpackerabsteige bis hin zum Luxushotel kannst du hier alles finden. Wobei ersteres natürlich umso größeren Spaß macht, vor allem, wenn du herausfindest, dass der Seeblick nur durch ein kleines Fensterchen kurz über dem Boden zu erhaschen ist. Aber hey, immerhin gab es ein Fenster. Nach der kleinen akrobatischen Einlage solltest du dich mit einem Lunch stärken und anschließend die Stadt zu Fuß erkunden.  

Mawlamyaing liegt malerisch an der Mündung des Thanlwin-Flusses und lädt damit zu einem ausgedehnten Spaziergang am Flussufer ein. Die meisten Gasthäuser liegen direkt am Fluss, sodass du lediglich aus der Tür „herausfallen“ brauchst. Schon bist du am Ort des Geschehens und kannst dich auf Entdeckungstour begeben.
Wie sollte es anders sein, auch in Mawlamyaing bildet der Markt das Herzstück der Stadt. Auf deinem Weg durch das Örtchen solltest du unbedingt einen Abstecher zum neu errichteten Zeigyi Markt einplanen. Nach einem verheerenden Feuer 2008, bei dem der alte „People´s Market No. 1“ komplett abbrannte, wurde die moderne, zweistöckige Markthalle erbaut. Hier findest du sowohl Stoffe und Kleidung, als auch Technik, Haushaltswaren und Lebensmittel. Vor allem das in allen Farben leuchtende Obst, solltest du ausführlich probieren, denn Mawlamyaing ist für seine Tropenfrüchte berühmt. Besonders die riesigen Pomelos (Pampelmuse/Grapefruit) und Durian-Früchte (Stinkefrucht) haben die kleine Stadt im Südosten bekannt gemacht. An letzterer scheiden sich allerdings die Geister. Die einen schlägt sie mit ihrem strengen Geruch in die Flucht, die anderen können von ihrem saftigen Geschmack nicht genug bekommen. In Südostasien wird sie die Königin der Tropenfrüchte genannt. Ein altes Sprichwort besagt: „Die Durian schmeckt wie Himmel und riecht wie Hölle.“ Übrigens ist sie genau deshalb in vielen Taxis und Bussen sowie Hotels und Restaurants verboten. Wir sagen, Nase zuhalten und unbedingt probieren!

Weiter führt der Weg vorbei an zahlreichen Reliquien der ehemaligen britischen Herrschaft. Einst Regierungssitz von Britisch-Birma, säumen noch immer, teilweise verfallene, koloniale Gebäude die ruhigen Straßen. Davon zeugen auch die beiden katholischen Kirchen St Patrick’s und St Matthew’s. Beide im 19. Jahrhundert erbaut, gehören sie zu den wenigen Überbleibseln der britischen Kolonialzeit. Heute sind beide Kirchen allerdings meistens verschlossen und verlassen. Mit etwas Glück lassen sich jedoch manchmal der „Hausmeister“ oder eine nette Dame aus der Nachbarschaft finden, die wie aus dem Nichts einen Schlüssel hervorzaubern.

Für den Sonnenuntergang solltest du dir den Besuch der berühmten Kyaik Than Lan Pagode (Kyaikthanlan Pagode) aufheben. Die 875 v. Ch. erbaute Pagode, thront hoch oben auf einem Berg über Mawlamyaing und bietet einen atemberaubenden 360°-Ausblick über die Stadt. Da die Pagode den höchsten Punkt der Stadt bildet, bietet sich kein anderer Ort besser, um die untergehende Sonne am Horizont verschwinden zu sehen. Mächtige Palmen und riesige Baumwipfel ragen zwischen kleinen Holzhütten empor. Im Hintergrund lassen sich die Bus- und Zugstation, die umliegenden Ortschaften und der beeindruckende Fluss erspähen. Ein wundervoller Anblick, vor allem, wenn die Sonne langsam über dem Thanlwin untergeht und die Umgebung in ein leuchtendes Rot taucht. Das goldene Denkmal selbst, das von 34 kleineren Pagoden umgeben ist, kann schon Meilen vor der Stadt erblickt werden. Besonders nachts, wenn es von mehreren Strahlern erleuchtet wird, erhellt es die Dunkelheit.
Berühmtheit erlangte dieser Ort übrigens durch den Autor Rudyard Kiling, denn es wird angenommen, dass er hier an der Kyaik Than Lan Pagode sein bekanntes Gedicht „Mandalay“ schrieb.

„By the old Moulmein Pagoda, lookin' lazy at the sea,
There's a Burma girl a-settin', and I know she thinks o' me;
For the wind is in the palm-trees, and the temple-bells they say;
Come you back, you British Soldier; come you back to Mandalay!"


Schließlich sollte dein Weg zurück zum Flussufer rund um die Strand Road führen. Hier kannst du den Abend entspannt in einem der kleinen Restaurants oder auf den Plastikstühlen des Essensmarktes ausklingen lassen. Bei einem leckeren Abendessen ist das der perfekte Spot, um sich zurückzulehnen und das abendliche Treiben auf sich wirken zu lassen.




Interessantes außerhalb Mawlamyaing
Auch außerhalb der Stadt gibt es einige interessante und skurrile Orte:
    Win Sein Taw Ya – Liegender Buddha: 20 km südlich von Mawlamyaing findest du den angeblich größten liegenden Buddha der Welt. Vor etwas mehr als 30 Jahren begann man mit dem Bau dieses überdimensionalen Denkmals und schaffte es bis heute noch nicht zu einem Abschluss. Eine etwas seltsame Attraktion, die inmitten einer nicht enden wollenden Baustelle, zwischen Dreck und Staub liegt. Im Inneren des 180 m langen und 30 m hohen Buddhas befinden sich auf insgesamt vier Etagen zahlreiche Statuen, Schreine und Schriften der buddhistischen Lehre.

    Pa-Auk Forest Monastery: Das ruhig im Wald gelegene Kloster, das 15 km außerhalb Mawlamyaing liegt, öffnet seine Tore auch für Touristen. Egal ob für einen kurzen Besuch oder einen längeren Meditationaufenthalt, die Mönche und Nonnen heißen Besucher willkommen.

    Nwa La Bo Pagode: Die kleine, aber spektakuläre Pagode, die oft mit dem berühmten Goldenen Felsen Kyaiktiyo vergleichen wird, befindet sich 20 km nördlich von Mawlamyaing. Sie liegt 600 m über dem Meer und besteht aus drei vergoldeten, übereinander gestapelten Felsblöcken. Historiker behaupten, im mittleren Felsen befinde sich ein Haar Buddhas.

    Bilu Island: Auch ein Ausflug auf die nahe liegende Insel Bilu kann von Mawlamyaing aus arrangiert werden. Nur wenige Touristen nutzen bisher diese Möglichkeit, sodass du hier, abgeschieden von Menschenmassen, das Leben der einheimischen Bevölkerung erleben kannst. In fast jeder der kleinen Gässchen wird ein Handwerk betrieben. Es gibt viel zu entdecken.





    Zusatzinformationen

    Anreise:
    Vom Hpa-an:
    per Boot, ca. 2-3 h, ca. 10.000 Kyat (7,50 €); per Bus, ca. 2 h, ca. 1.000 Kyat (0,75 €); per Minivan, ca. 2 h, ca. 7.500 Kyat (5,50 €)

    Von Yangon:
    per Bus, ca. 7 h, ca. 8.000 Kyat (6,00 €); per Zug, ca. 10 h, ca. $ 16,00 (11,50 €); per Flugzeug, ca. 40 min, ca. $ 60,00 (43,50 €) 

    Mobilität: zu Fuß; Moped: 8.000 Kyat (6,00 €) p. T.

    Unterkunft: In Mawlamyaing gibt es eine relativ große Auswahl an Unterkünften, sowohl für den kleineren Geldbeutel als auch in der Luxusvariante.
    Budgetvariante: 12.000 Kyat (8,60 €) p. N., 2 Personen, inkl. Frühstück

    Verpflegung: Essensstände, ca. 2.000-3.000 Kyat (1,40-2,00 €)

    Klima: heiße, trockene Jahreszeit, ca. 37 °C

Nicki
Myanmar, 28.03.2014

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