>

Hpa-an – ein entspanntes Städtchen abseits der Touristenroute

Hpa-an, Myanmar – März 2014



Myanmar boomt. Längst hat die Tourismusbranche dieses lange vergessene Land für sich entdeckt und macht fleißig Werbung. Zahlreiche Touristen bevölkerten dieses Fleckchen Erde in den vergangenen Jahren. Tendenz steigend. Doch bis heute hat es Myanmar geschafft, seinen eigenen Charme zu bewahren. Selten begegnet man in Asien freundlicheren und aufgeschlosseneren Menschen. Begibt man sich nur ein wenig abseits der Touristenpfade, kann man noch immer weitgehend unentdeckte und wenig besuchte Plätze finden. Zu diesen Orten zählt auch das kleine Städtchen Hpa-an im Südosten des Landes, das vor allem mit einer eindrucksvollen Landschaft, einer entspannten Atmosphäre und außergewöhnlichen Karststeinhöhlen beeindruckt.


Die Seele baumeln lassen
Die am Thanlwin-Fluss gelegene Kleinstadt macht auf den ersten Blick einen verschlafenen Eindruck. Nur wenige Gasthäuser, Restaurants und Geschäfte befinden sich im Zentrum Hpa-ans. Touristenmassen sucht man hier vergeblich. Besonders um die Mittagszeit scheint das kleine Städtchen verlassen. Nur die obligatorisch streunenden Hunde und eine Handvoll Einheimischer befinden sich noch auf den Straßen. Es ist eine gemütliche Stadt, die dazu einlädt, in den Gassen umherzuwandern, versteckte Ecken auszukundschaften und seine Seele baumeln zu lassen. Entspannt kannst du dir einen besonders schönen Ort suchen, dich niederlassen, das Treiben beobachten oder in einem guten Buch blättern. Ein paar wenige Restaurants laden zu einem kleinen Snack oder einem kühlen Getränk ein. Und glaub mir, gerade in der heißen, trockenen Jahreszeit, ist eine Erfrischung so etwa alle fünf Minuten überlebenswichtig. Hpa-an ist heiß, schwül und klebrig. Nur selten weht ein angenehmes Lüftchen.
Bei deinem Spaziergang durch das kleine Örtchen wirst du schnell auf den traditionellen Markt treffen. Hier herrscht, besonders in den Morgenstunden, ein reges Treiben. Aus den umliegenden Ortschaften kommen die Bauern mit Pferdewagen, Ochsenkarren und Rikschas, um ihre Waren anzubieten. Von Lebensmitteln über Haushaltswaren bis hin zu Kleidungsstücken und Stoffen kannst du dich hier mit allem Nötigen und Unnötigen eindecken.


Einzigartige Höhlen, Pagoden und Kloster
Hast du dich genug entspannt und einen kleinen Einblick in das Stadtleben erhalten, wird es Zeit, die Umgebung Hpa-ans zu erkunden. Eingebettet in eine spektakuläre Kulisse aus steil aufragenden Kartsfelsen und -bergen können unzählige Felspagoden, Klosteranlagen und faszinierende Höhlen besucht werden.



Für die Besichtigung, der oft nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegenden Sehenswürdigkeiten, bieten sich folgende Möglichkeiten an:


Tour: Die einfachste und entspannteste Art, die Umgebung zu erkunden, ist die Teilnahme an einer geführten Tour. Diese können in jedem Gasthaus und Hotel spontan einen Tag vor Abfahrt gebucht werden.

Tuk-Tuk: Ebenso einfach ist es, eventuell gemeinsam mit anderen Reisenden, einen Tuk-Tuk-Fahrer für den Tag zu engagieren. Dieser bringt bis zu sechs Personen den gesamten Tag zu den gewünschten Attraktionen. (ca. 20.000 Kyat (15,00 €) p. T.)

Fahrrad: Für die Sportlichen unter euch kommt möglicherweise ein Leihfahrrad für die Erkundung in Frage. Einige Höhlen und Tempel sind in wenigen Minuten zu erreichen, andere hingegen bedürfen sportlicher Hochleistungen, da sie weiter außerhalb liegen. Zudem sind die Temperaturen, besonders in der heißen Jahreszeit, nicht zu unterschätzen.

Roller: Unserer Meinung nach immer noch die lustigste und individuellste Möglichkeit eine neue Umgebung zu besichtigen. Roller können auch in Hpa-an an verschiedenen Stellen, am besten im Gasthaus nachfragen, für den gesamten Tag ausgeliehen werden. So bist du frei und kannst die Gegend ganz nach deinen Wünschen auskundschaften. Wichtig: Lass dir eine gute Landkarte geben, das erleichtert das Nachfragen nach der Richtung unterwegs.



Folgende Denkmäler sind auf dem Weg vorbei an beeindruckenden Karstbergen, zahlreichen Feldern und kleinen Dörfern einen Besuch wert:

Saddar Cave
Die ca. 20 km außerhalb Hpa-ans liegende Saddar Cave zählt zu den bekannteren und imposanteren Höhlen in der Umgebung. Das Innere erinnert an eine riesige Kathedrale und strahlt eine angenehme, ruhige und friedliche Atmosphäre aus. Zahlreiche Buddha-Statuen, kleinere Pagoden und andere religiöse Reliquien wurden in den Hohlräumen verteilt. In etwa 15 Minuten kannst du die Tropfsteinhöhle durchlaufen und gelangst am Ausgang zu einem kleinen, idyllischen See. Hier warten zahlreiche Fischer, die dich in ihren kleinen Nussschalen gern zurück zum Eingang schippern. Die kurze Bootsfahrt lohnt sich. Es geht erneut durch eine kleine Höhle, vorbei an grünen Reisfeldern und steilen Karstbergen. Für die Erkundung der Höhle ist eine Taschenlampe ratsam, da der Innenraum nur selten beleuchtet wird. (Eintritt: Spende ca. 1.000 Kyat; Bootsfahrt: ca. 1.500 Kyat für 2 Personen)
Kawgun Cave
Auch wenn es sich hierbei nur um eine kleine Höhle bzw. eher eine größere Spalte im Karstfelsen handelt, solltest du diesen Ort unbedingt ansteuern. Der Eingang ist mit tausenden, teils jahrhundertealten, Buddha-Figuren aus Ton und Schnitzereien verziert. Ein Gesamtkunstwerk, das beeindruckt. Auch das Innere überzeugt mit einer besonderen Stimmung, einzelnen Statuen und kleinen Altären. Bei richtigem Sonnenstand (früher Nachmittag) fallen die Strahlen der Sonne durch die kleine Öffnung und tauchen die Höhle in ein magisches, wunderschönes Licht. (Eintritt: 3.000 Kyat)
Bayin Nyi Cave
Die kleine Bayin Nyi Höhle ist aufgrund des hier lebenden Fledermausschwarms besser bekannt als „Bat-Cave“ (Fledermaushöhle). Zum Sonnenuntergang verlassen tausende Fledermäuse ihren Unterschlupf und gehen in der Dunkelheit auf Nahrungssuche. Ein Erlebnis, das man gesehen haben sollte. Am besten reist du kurz vor Sonnenuntergang an, kletterst auf einen kleinen, nahe gelegenen Berg und machst es dir gemütlich. Von hier kannst du das einzigartige Spektakel, eingebettet in eine wunderschöne Umgebung, genießen. (Eintritt: frei, Spende erwünscht)
Kawt Ka Taung Cave
Diese, etwa 10 km von Hpa-an entfernte, Höhle steuerten wir vor allem aufgrund der glasklaren, kühlen Quelle an, in der man ein erfrischendes Bad nehmen konnte. Was wir allerdings bei unserem Besuch vorfanden, war eine herbe Enttäuschung. Das angepriesene klare Wasserloch stellte sich als dreckige, dunkle, unangenehm riechende Brühe heraus, in der ca. 70 Einheimische badeten und sich sowie ihre Kleidung wuschen. Die Höhle selbst ist mit Fliesen ausgekleidet und mit zahlreichen Buddah-Statuen ausgestattet. In der Nähe befinden sich ein kleiner Hügel, von dem aus man einen schönen Blick in die Umgebung hat sowie ein winziges Dorf mit netten Restaurants.
Shwe Yin Myaw Pagoda
Diese Pagode am nordwestlichen Ende Hpa-ans bietet zum Sonnenuntergang wunderschöne Ausblicke über die Stadt, den Fluss und die Karstberge. Entweder steigst du auf den Aussichtsturm oder machst es dir an einem netten Fleckchen direkt am Fluss gemütlich.
Kyauk Kalap Pagoda
Auch dieser Ort ist besonders zum Sonnenuntergang und -aufgang spektakulär. Doch auch zu anderen Tageszeiten ist die Kyauk Kalap Pagode einzigartig. Umgeben von einem tollen Bergpanorama wurde hier die vergoldete Pagode direkt auf einen steilen Felsen inmitten eines kleinen Sees gesetzt. Bring ein wenig Zeit mit, such dir einen ruhigen Ort und beobachte das rege Treiben rund um das Kloster.


Ein besonderes Highlight – Mount Zwegabin
Du bist noch fit und hast noch nicht genug gesehen? Dann solltest du unbedingt den ca. 16 km vor der Stadt liegenden Berg Zwegabin ansteuern.
Mount Zwegabin erhebt sich rund 650 m aus der Ebene und bietet einen einmaligen Blick auf die Umgebung. Während der Gipfel sowohl vom Osten als auch vom Westen her erklommen werden kann, ist letztere die beliebtere Variante, da sich hier am Fuße des Berges ein kleines Kloster mit hunderten Buddha-Statuen befindet. Der Aufstieg dauert etwa zwei bis zweieinhalb Stunden, je nach Kondition, und ist leicht zu finden. Es geht hinauf über zahlreiche steile, schmale Treppen, vorbei an diebischen Äffchen. Doch die Anstrengung wird belohnt: Bei gutem Wetter kann man kilometerweit über die Stadt und die umliegende Landschaft sehen. Die Stimmung, besonders wenn die Sonne am Horizont verschwindet und die Umgebung in ein sattes Orange-Rot taucht, ist unvergesslich. Noch haben nicht viele Touristen diesen Ort entdeckt, sodass du mit etwas Glück nur einer kleinen Menschengruppe begegnest.
Tipp: Bring ein paar kleine Leckereien mit und genieß bei einem Picknick die unglaubliche Aussicht. Oder du lässt es dir in dem neu eröffneten, kleinen Restaurant auf dem Gipfel schmecken.
Im Anschluss konnte man noch bis vor kurzem in dem auf dem Berg liegenden Kloster übernachten und sich am folgenden Tag auf den Rückweg begeben. Ein besonderes Erlebnis, das einen Blick in das Leben der Mönche ermöglicht. Leider vermehren sich Berichte darüber, dass es diese Möglichkeit aufgrund der steigenden Touristenzahl in Zukunft nicht mehr geben soll. Am besten informierst du dich vor der Anreise in deinem Gasthaus.




    Zusatzinformationen

    Anreise:
    Von Kalaw (über Yangon):
    Kalaw – Yangon: per Bus, ca. 10 h, ca. 8.000 Kyat (5,70 €)
    Yangon – Hpa-an: per Bus, ca. 6 h, ca. 4.500 Kyat (3,20€)
    Von Mawlamyine: per Boot, ca. 4 h, ca. 10.000 Kyat (7,00 €) p. P.; per Bus, ca. 2 h, ca. 1.000 Kyat (0,70 €)
    Mobilität: Moped: 8.000 Kyat (5,70 €) p. T.; Fahrrad: 2.000 Kyat (1,40 €) p. T.
    Unterkunft: In Hpa-an gibt es nur wenige Unterkünfte, so dass eine Reservierung in der Hauptsaison dringend zu empfehlen ist. Budgetvariante: 12.000 Kyat (8,60 €), 2 Personen, ohne Frühstück
    Verpflegung: myanmarisch, ca. 2.000-3.000 Kyat (1,40-2,00 €)
    Klima: heiße, trockene Jahreszeit, ca. 40°C

Nicki
Myanmar, 25.03.2014

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen