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Der Inle-See – schwimmende Gärten und Einbeinruderer

Inle-See, Myanmar – März 2014




Wer nach Myanmar reist, sollte den Inle-See unbedingt auf seine Reiseliste setzen, denn mit seiner wunderschönen Lage und den einzigartigen Einbeinruderern ist er mit keinem anderen Reiseziel im Land vergleichbar.


Eine Bootstour auf dem Inle-See
Der Inle-See ist mit einer Länge von 22 km und einer Breite von 11 km der zweitgrößte See Myanmars. Da er auf einer Höhe von 900 m liegt, bietet er das gesamte Jahr über ein angenehmes Klima. Ein guter Grund, um den Süßwassersee auch in der heißen, trockenen Jahreszeit zu besuchen. 
Sowohl die einzigartige Lage als auch die idyllischen schwimmenden Dörfer und Gärten machten den Inle-See berühmt. Er zählt zu den bekanntesten Orten im östlich liegenden Shan-Staat und zieht seit der Öffnung des Landes zahlreiche Touristen an. Besonders die Lebensweise der hier ansässigen Intha, "Söhne des Sees", fasziniert Besucher. Insgesamt leben auf und um den See ca. 70.000 Menschen in kleinen Pfahlhütten. Die Bevölkerung baut auf schwimmenden Feldern Gemüse, Früchte und Blumen an und bewegt sich in schmalen Booten durch die kleinen Kanäle der Ortschaften am See. Eine weitere Besonderheit, die diesen kleinen Ort weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt machte, sind die Einbeinruderer. Sie entwickelten über die Jahre hinweg eine Rudertechnik, die einzigartig ist auf der Welt.

Das Highlight einer jeden Reise zum Inle-See ist eine Bootstour. Buchbar ist diese sowohl direkt am Bootsanleger als natürlich auch in diversen Hostels und Reisebüros. Wir liefen einfach am Abend zuvor zum Steg, sprachen mit verschiedenen Fischern und einigten uns schnell. Der gängige Preis für eine Tagestour liegt bei etwa 15 Dollar. 
Ein kleiner Tipp: Starte deine Tour über den See so früh wie möglich. Als wir noch vor Sonnenaufgang in unser kleines gemietetes Boot stiegen, lag der See still und klar vor uns und keine Menschenseele war zu sehen. Wir kuschelten uns in die Decken und schipperten langsam den Fluss hinauf. Ein kühler Wind wehte uns um die Nase und das leise brummende Motorgeräusch unseres Bootes war das einzige, das in der Dunkelheit ertönte. Die Atmosphäre war mystisch. Nach kurzer Zeit kamen wir zum Stehen und der Fahrer stellte den Motor ab. Plötzlich umgab uns eine seltsame Stille. Langsam ging die Sonne am Horizont auf und hüllte die Landschaft in ein warmes Rot. Nur nach und nach konnten wir die Umgebung erahnen, da der See und die ihn umgebenen Berge in einem dichten Nebel lagen. Gesäumt von breiten Schilfgürteln lag das riesige Gewässer still und klar vor uns, Silberreiher glitten über das Wasser und die berühmten Einbeinruderer, die für ihre spezielle Rudertechnik bekannt sind, tauchten auf. Auf den schmalen Booten balancierend, raffen die Fischer ihren Longyi – den traditionellen Wickelrock – über die Knie, schlingen einen Fuß um das Ruder und bewegen es mit kräftigen Padelstößen im Stehen. So bleiben beide Hände frei, um die Netze auszuwerfen und den Fang wieder einzuholen. Ein faszinierendes Schauspiel, dem wir ewig hätten zusehen können.




Markttag
Im Anschluss solltest du unbedingt einen der umliegenden Märkte ansteuern. Im rotierenden 5-Tages-Rhythmus wird in den kleinen Ortschaften am Inle-See Markttag gehalten, so dass fast täglich ein Markt in der Gegend stattfindet.
Hier erwartet dich das volle Kontrastprogramm zum besinnlichen Sonnenaufgang auf dem See. Es herrschte reges Treiben. Wie fast überall in Südostasien faszinieren auch hier die Märkte mit ihrem dichten Menschengewusel, fremden Gerüchen und bunten Farben. An den zahlreichen Ständen verkauften die Bauern des Inle-Sees ihre Erzeugnisse: Gemüse, Obst, Gewürze, Fisch und Fleisch. Aber auch Kleidung, Technik, Bücher und Tabak wurden lautstark angeboten. Wir stürzten uns in das Gewusel, drängten uns durch die engen Gänge und probierten die fremden Speisen. Zu empfehlen sind die frisch zubereiteten Teigstücke mit Zucker und Obst. Leider verdorben wir uns im Anschluss den tollen Geschmack mit einer anderen Spezialität – Betelnüssen. Eingepackt in grüne Blätter werden die Samen der Areca-Palme an unzähligen Ständen im ganzen Land verkauft und von schätzungsweise 50% der Bevölkerung täglich konsumiert. Angeblich hält sie den Geist wach, wenn der Körper schon müde ist. Ein Rauschmittel, das nicht nur gefährlich, sondern auch noch furchtbar abartig ist. Es färbt die Münder und verbliebenen Zahnstummel rot, regt zu einer übermäßigen Speichelbildung an und bringt damit den Konsumenten zum vermehrten Ausspucken. Kein schöner Anblick. Die Straßen jeder Stadt Myanmars sind deshalb mit roten Spukespritzern gepflastert. Von jeglicher Nachahmung können wir nur dringend abraten! 

Der restliche Tag lässt sich gemütlich auf dem Wasser verbringen. Entweder man tuckert durch die Stelzendörfer und beobachtet die zahlreichen Fischer und Bauern bei ihrer Arbeit oder besucht einen der vielen Handwerksbetriebe rund um den See. Von Schirmherstellern über Silber- und Goldschmieden bis hin zu Seiden- und Lotuswebern findet sich hier alles. Die meisten Bootsführer sind flexibel und fahren dich zu den Orten deiner Wahl.




Überraschungen lauern überall
Auch wenn eine Bootstour auf dem Inle-See ganz klar das Highlight ist, hat der Ort noch viel mehr zu bieten. Es lohnt sich durchaus, ein paar mehr Tage in der Gegend zu verbringen und die Umgebung zu erkunden. 

Nyaung Shwe, die ehemalige Fürstenstadt am Nan-Kanal ist der Hauptort am Inle-See und zugleich das touristische Zentrum. Hier konzentrieren sich die Gasthäuser, Restaurants, Banken und Geschäfte. Eine Unterkunft in jeder Preisklasse findet sich leicht, denn aufgrund des Touristenbooms öffneten in den letzten Jahren zahlreiche neue Hostels in verschiedenen Kategorien ihre Pforten. Viele bieten zu einem kleinen Preis Leihfahrräder an, mit denen sich die Ortschaft einfach erkunden lässt. 
Wer sich auf seinen Drahtesel schwingt und einfach drauf los fährt, wird auf jeden Fall etwas Interessantes finden. Wir radelten vorbei an zahlreichen Dörfern und beobachteten die Bauern beim Bestellen ihrer Felder. Die schwerfälligen Bullen und uralten Karren versetzten uns, wie bereits so oft zuvor, in eine längst vergangene Zeit. Weiter passierten wir eine provisorisch zusammengschusterte Zuckerrohrfabrik, in die wir kurzerhand hineinschnupperten und sogar kosten durften, sowie eine kleine Dorfschule. Auch hier siegte die Neugier und wir illerten durch die nigelnagelneuen Fenster der erst vor Kurzem gebauten Einrichtung. Hier saßen ca. 100 Schüler und Schülerinnen auf dem Boden und lauschten mehr oder weniger aufmerksam einem Mönch, der vor einer Tafel stand und durch ein Mikrophon plärrte. Der Weg führte uns weiter zu einem etwas abseits gelegenem Waldkloster, das menschenleer wirkte und von einem Rudel knurrender Hunde bewacht wurde. Lieber weiter. Zwischendurch hielt uns eine Familie am Straßenrand an und lud uns zu einem Tee ein. Mit Händen und Füßen versuchten wir uns zu verständigen und erfuhren tatsächlich einiges über ihr Leben. Auf dem Rückweg stießen wir zufälligerweise auf einen idyllischen einsamen See, an dem wir es uns unter einem Baum gemütlich machten und ein Nickerchen hielten. Nach einer kurzen Abkühlung radelten wir frisch gestärkt zurück zu unserem Hostel und wurden erneut von einer Gruppe Myanmarer aufgehalten. Die Feldarbeiter, die nach getaner Arbeit noch ein wenig zusammen saßen, luden uns zu einem kleinen Umtrunk ein. Es gab Bier und Getreideschnaps und auch weniger leckeres Schweinefleisch, das wir natürlich aus Höflichkeit ausführlich probierten. Wie immer wurde viel gelacht und damit die Verständigungsschwierigkeiten übergangen.
Und so wurde aus diesem ungeplanten Tag, an dem wir einfach drauf los fuhren, ein unerwartet ereignisreicher. Ich kann nur jedem Myanmarreisenden empfehlen, wenigstens ein einziges Mal auf seiner Reise ins Blaue zu fahren und sich treiben zu lassen. So entstehen die schönsten Erlebnisse und echtesten Begegnungen.




Besonders sehenswert sind außerdem die folgenden Pagoden, Kloster und andere Besonderheiten:
Shwe Yan Bye Kloster
Das ca. zwei Kilometer außerhalb von Nyaung Shwe liegende Kloster, das Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, bietet sich hervorragend für eine kleine Radtour an. Komplett aus Teakholz gebaut, beeindruckt es vor allem mit seinen ovalen Fenstern.
Phaung Daw U Pagode
Die bekannteste Pagode am See beherbergt fünf Buddhafiguren, die alljährlich im Rahmen des Phaung Daw U Festes (zur Zeit des Vollmondes im Oktober) in der königlichen Barke von Dorf zu Dorf gefahren werden.
Nga Phe Kyaung Kloster
Ein 160 Jahre altes Kloster, das noch bis vor Kurzem wegen seiner von Mönchen dressierten Katzen als Monastery of The Jumping Cats berühmt wurde. Die Vorführungen gibt es jedoch heute nicht mehr, da dies der neue Abt nicht wünscht.
Shan Palast
Im Nordosten der Stadt kann der Shan-Palast besichtigt werden, der noch bis zur Machtergreifung des Militärs 1962 bewohnt war.
Mingala Markt
Dieser traditionelle Markt liegt im Zentrum des Ortes und sollte am besten früh morgens besucht werden. Dann sind die Einheimischen auf den Beinen und es herrscht lebhafter Trubel.
Aythaya Weingut
Ein absolutes Unikum in Myanmar. Das etwas außerhalb liegende Weingut wurde vor wenigen Jahren von zwei Deutschen gegründet und baut verschiedene Weine an. Besonders zum Sonnenuntergang bietet sich der Besuch und eine Verkostung an. Toller Nebeneffekt: Das Weingut finanziert mit Teilen der Einnahmen ein Waisenhaus in der Nähe.




    Zusatzinformationen

    Anreise:
    Von Hsipaw: per Nachtbus, ca. 15 h, ca. 16.000 Kyat (12,00 €)
    Von Yangon: per Nachtbus, ca. 12 h, ca. 14,00 €; per Flugzeug nach Heho, ca. 1 h, anschließend per Taxi nach Nyaung Shwe
    Von Mandalay: per Nachtbus, ca. 7 h, ca. 8,00 €; per Flugzeug nach Heho, ca. 30 min
    Von Nyaung U (Bagan): per Nachtbus, ca. 8 h, ca. 10,00 €; per Flugzeug nach Heho, ca. 1 h
    Tagesmiete Boot inkl. Fahrer: $ 15,00 (10,00 €)
    Unterkunft: Der Inle-See ist ein Touristenmagnet und so wurden in den letzten Jahren zahlreiche neue Hotels und Gasthäuser in den verschiedenen Preiskategorien errichtet. Eine Vorbuchung zur Hauptsaison ist dennoch nach wie vor ratsam.
    Budgetvariante: $ 15,00 (10,00 €) p. N., 2 Personen, mit Frühstück
    Verpflegung: westlich, ca. $ 4,00 (3,00 €)
    Klima: heiße, trockene Jahreszeit, ca. 35 °C

Nicki
Myanmar, 21.03.2014

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