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Yangon – die abgelegte Hauptstadt Myanmars

Yangon, Myanmar – Februar 2014



Das ewige Hin und Her war zu Ende. Nach tausendfacher Überprüfung unserer Reisekasse und ewigen Diskussionen unserer Pläne hatten wir uns endlich entschieden: Myanmar, wir kommen! Zu sehr hatten uns Erzählungen anderer Reisender begeistert und neugierig gemacht. Dieses riesige Land im Norden Südostasiens, von dem wir zuvor noch nie gehört hatten. Nicht im Entferntesten war es in unsere Reiseplanung eingebunden gewesen, doch nun wollten wir es unbedingt kennen lernen.


Abenteuerliche Vorbereitung
Bereits die Planung unserer Reise sollte ein Abenteuer werden. Ein Visum musste her. Doch die Botschaft Myanmars war ein Alptraum – völlig überfüllt, laut und stickig. Kein Angestellter konnte Fragen beantworten. Es wurde geschubst und gedrängelt, durcheinander geredet und über Köpfe hinweg lautstark diskutiert. Das Formular unverständlich, die Angaben unklar. Mehr schlecht als recht versuchten wir, die Vorgaben zu erfüllen, die Formulare korrekt auszufüllen und alle notwendigen Unterlagen einzureichen. Danach konnten wir nur hoffen.
Auch die Angaben zur Einreise waren ungenau und widersprüchlich. War es möglich über den Landweg einzureisen? Wir konnten es nicht herausfinden. Es gab Erzählungen über gelungene Einreisen im Norden Thailands als auch über abgewiesene Touristen an den Grenzen. Die Situation änderte sich täglich. Das Risiko wollten wir nicht eingehen. Und so nahmen wir völlig verblüfft unsere bereits wenige Tage später problemlos ausgestellten Visa entgegen, buchten einen Flug nach Yangon und bestiegen aufgeregt das Flugzeug.


Neues Land, neue Eindrücke
Yangon – mit rund 5 Mio. Einwohnern die größte Stadt Myanmars und zugleich das industrielle Zentrum des Landes. Bis heute gilt sie inoffiziell als Hauptstadt, auch wenn 2005 völlig überstürzt und unter großem Protest der Regierungssitz nach Pyinmana verlegt worden war. An Yangon, oft auch Rangun genannt, kommt man als Tourist schwer herum. Als Stadt mit dem einzigen internationalen Flughafen ist sie Anlaufstelle vieler Reisender und Ausgangsbasis für die Erkundung des Landes. 



Kaum abgehoben landete das Flugzeug auch schon wieder und wir standen in einem neuen Land. Myanmar – wir waren endlich da! Zum ersten Mal auf unserer Reise gönnten wir uns den Luxus eines Taxis. Alternativ fährt gleich um die Ecke angeblich auch ein Bus ins Zentrum. Dieses konnten wir allerdings nicht ausfindig machen.
Schon die 20-minütige Fahrt ins Stadtzentrum machte folgendes klar: Myanmar war anders. Wir fühlten uns um Jahrzehnte zurückversetzt. Die Häuser zerfallen, Straßenränder voller Müllberge und Kinder mit spindeldürren Armen und Beinen. Die Armut sprang uns diesmal sofort ins Auge. Und trotzdem fühlten wir uns vom ersten Augenblick an wohl. Wir wurden mit offenen Armen empfangen. Ein Lächeln kam uns an jeder Straßenecke entgegen, ein freudiges „Hello“ wurde uns zugerufen, aufgeregtes Winken von allen Seiten.

Der erste Abend gleich aufregend. Wir liefen durch die dunklen Gassen, vorbei an Straßenmärkten und dem lebendigen Gewusel. Die Ratten kreuzten die Straßen und verkrochen sich in riesigen Müllbergen. Lästige Fliegen wurden mit Wedeln abgewehrt und streunende Hunde verscheucht. Ein Freund führte uns in die Küche Myanmars ein. Er brachte uns zur beliebtesten „Fressstraße“, die voller Garküchen und Barbecue-Ständen fast aus allen Nähten platzte. Hier tobte das Leben. Menschen drängelten sich durch die schmale Gasse und ließen sich in dem Lokal ihrer Wahl nieder. Laut gestikulierend wurden Gespräche geführt, gelacht und der ein oder andere Schnaps hinunter gespült. Auch wir quetschten uns zwischen die Einheimischen und nahmen auf den winzigen Plastikstühlen Platz. Mutig bestellten wir die verschiedensten Spieße mit Fleisch, Gemüse und Tofu und hofften inständig, nicht gleich am nächsten Morgen mit einer Magenverstimmung aufzuwachen. Das gute Myanmar-Bier sollte es richten und die Bakterien abtöten. Es war ein toller Abend, der uns auf die Reise einstimmte.




Das goldene Land
Zunächst ließen wir es ruhig angehen und informierten uns in der Touristeninformation über Verhaltensregeln, Sperrzonen im Land (noch immer durften Touristen nicht überall hin reisen) und mögliche Reiserouten. Danach drehten wir mit der Eisenbahn für einen Dollar eine dreistündige Runde durch die Stadt. Eine tolle Möglichkeit, die Stadt kennen zu lernen und einen ersten Eindruck von den Menschen und ihrem alltäglichen Leben zu erhalten.

In den darauf folgenden Tagen erkundeten wir Yangon. Breite Boulevards, schmale Gassen, goldene Pagoden, ehrwürdige Kolonialhäuser, ein geschäftiger Hafen, quirlige Marktviertel – all das prägt das Stadtbild. Aber auch Berge von Müll, Ungeziefer und Dreck.
Die verschiedenen Viertel sind einfach per Fuß zu erkunden. Ein Spaziergang durch die Altstadt führt vorbei an zahlreichen historischen Gebäuden und tollen Kunstausstellungen einheimischer Künstler. Auch die Sule und Shwedagon Pagode sind einfach zu erreichen. Wir waren beeindruckt von ihrer Schönheit. Vor allem letztere ist umwerfend. Sie ist Symbol des Landes und Pilgerstätte für Buddhisten aus aller Welt. Schon von Weitem sieht man die riesige, uralte Pagode, die heute angeblich über 100 m hoch sein soll. Sie ist übersät mit Tonnen von Gold und tausenden Edelsteinen. Besonders zum Sonnenuntergang bietet sich ein wundervoller Anblick, wenn die Anlage in der untergehenden Abendsonne glitzert.
Doch auch wenn die Shwedagon Pagode zweifellos eine der schönsten ist, die wir je gesehen haben, der Besuch hinterließ auch einen fahlen Beigeschmack: Überall quellen aus aufgestellten Kästen die Geldscheine heraus. Die Einheimischen bringen täglich Berge an Spenden. Sie geben im Wahrsten Sinne des Wortes ihr letztes Hemd. Der Anschein, der Buddhismus sei hier vor allem eine Geldmaschiene, verhärtet sich im Laufe unseres Aufenthaltes. Die Pagoden, die ständig mit neuen Goldplättchen überzogen werden, spiegeln einen unglaublichen Reichtum wieder. Auch Klöster und Mönche scheinen im Gegensatz zur einfachen Bevölkerung unfassbar reich. Sie spazieren durch das Land mit den neusten Handys, Tablets und Kameras, während der Rest der Bevölkerung in Baracken ohne Strom und Wasser haust.
Eine Begebenheit bohrte sich in unser Gedächtnis: Als wir nach dem Zahlen des Eintrittes (8 p. P.) auch noch deutlich darauf hingewiesen wurden, eine zusätzlich Spende leisten zu müssen, gaben wir etwas widerwillig noch einmal 2. Die Reaktion schockierend: Die Frau am Eingang war entsetzt, schüttelte den Kopf und zeigte lautstark, dass sie diese Spende unmöglich fand. Eine traurige Begegnung.



Nach dieser Erfahrung zogen wir uns zurück und stürzten uns wieder ins „normale“ Leben. Wir schlenderten durch kleine Gassen und über Märkte, ließen uns durch das Gewusel der Stadt treiben. Die Menschen hier brachten uns eine so unendliche Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Neugierde entgegen, wie wir sie nie zuvor kennen gelernt hatten. Noch nie waren wir so oft in ein Gespräch verwickelt und mit zahlreichen Fragen bombardiert worden. An jeder Ecke wurde uns ungefragt Hilfe angeboten. Wir trafen auf völlig selbstlose Menschen, die als Gegenleistung lediglich ein kurzes Gespräch oder ein nettes Lächeln erwarteten. Eine tolle Erfahrung. Wir waren gespannt, ob sich das im Rest des Landes fortsetzen würde.



    Zusatzinformationen

    Anreise:
    Bangkok – Yangon: per Flugzeug, ca. $ 50,00 p. P.(ca. 36,00 €), 45 min
    Fahrt zur Innenstadt:
    Taxi: ca. 3.500 Kyat (ca. 2,50 €), 20 min
    Bus: ca. 200 Kyat p. P. (ca. 0,15 €), 30 min
    Mobilität:
    kein Mopedverleih, zu Fuß, Bus oder Bahn
    Unterkunft:
    $ 35,00 pro Nacht (ca. 25,00 €), 2 Personen, mit Frühstück
    Verpflegung:
    myanmarisches BBQ, Straßenküche, Indisch, Ø $ 3,00 p. P. (ca. 2,15 €)
    Klima:
    Ende der kühlen, trockenen Jahreszeit (Nov - Feb), ca. 30°C


Nicki
Myanmar, 15.04.2014


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