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Pyin U Lwin – eine unaussprechliche Stadt

Pyin U Lwin, Myanmar – März 2014



Es war Anfang März. Wir befanden uns am Beginn der heißen Jahreszeit. Das Thermometer kletterte jedoch bereits frühmorgens auf über 30 °C. Es war schwül und unangenehm. Der Schweiß rann in Strömen. Auch, wenn wir uns nicht bewegten. Rafften wir uns tatsächlich auf und betätigten uns sportlich – ja, wir wagten es, einen Schritt vor den nächsten zu setzen – kollabierten wir bereits wenige Meter später auf der nächsten Bordsteinkante.

Eines stand fest: So schön Mandalay war, wir mussten hier weg. Weg aus dem stickigen Ober-Myanmar und ab in die Berge. Im nahe gelegenen Hochland hofften wir inständig auf ein angenehmes kühles Lüftchen. Die Entscheidung fiel spontan auf das nur 67 km entfernte Pyin U Lwin. Ein Zungenbrecher. Nicht ein Tourist hatte auch nur die leiseste Ahnung, wie dieser Name auszusprechen war. Wir ebenso wenig. Trotzdem gestaltete sich die Anreise problemlos. Gleich um die Ecke unseres Hostels fuhren stündlich Pick-ups in das kleine Städtchen, das gerade einmal etwas mehr als 100.000 Einwohner hat.


Das Schlimmste auf Reisen: gemütliche Zimmer und gute Restaurants
Wir schrieben den unaussprechlichen Namen auf unsere Handrücken und machten uns auf die Suche. Bereits eine halbe Stunde später, nachdem wir noch ca. 15 Minuten auf ausreichend Passagiere gewartet hatten, ging es los. Zwei Stunden rumpelten und pumpelten wir auf unseren Holzbänken die Berge hinauf. Der Pick-up war gefühlte hundert Jahre alt und benötigte ab und an immer mal ein Päuschen am Straßenrand, um den Motor abkühlen zu lassen. Und tatsächlich, wie erhofft, wurde es Minute um Minute etwas kühler. Angekommen auf fast 1100 m Höhe begrüßte uns Pyin U Lwin mit einem angenehmen milden Klima, sauberer Luft und ganz viel Grün.

Es war toll! Doch wir begingen den größten Fehler überhaupt und checkten zur Abwechslung in ein wunderschönes Hostel mit dem besten Raum und gemütlichsten Betten aller Zeiten ein. Die weichen und frischen Kissen waren einfach Luxus pur. Ich gebe euch einen guten (vielleicht nicht ganz ernst gemeinten) Tipp: Wollt ihr so viel wie möglich von einer Stadt sehen, wählt eine furchtbare Unterkunft!

Irgendwann schafften wir es dann doch aus den Betten. Wir schwangen uns auf unsere Leihfahrräder und erkundeten Pyin U Lwin. Eines zeigte sich schnell: Die Stadt ist anders. Sie unterscheidet sich komplett von den Orten, die wir zuvor in Myanmar bereist hatten. Pyin U Lwin ist sauber, grün und kühl. Weder Müllberge noch Ratten oder anderes Ungeziefer waren zu sehen und ein kühles Lüftchen wehte uns um die Nase, Überall standen Bauten aus der Kolonialzeit, Pagoden, Moscheen, Hindu-Tempel und Kirchen. Ein wahrer Mix der Religionen. Außerdem kann man die ein oder andere trendige Boutique und tolle Restaurants finden. Vor allem letztere wurde von uns ausführlich getestet. Buttercroissants, Cinnamon Rolls und French Toast zum Frühstück, Pizza und Hamburger zum Abendessen. Mhhh. Das gibt’s in Myanmar nicht oft. Nach den dekadenten Frühstücks fiel uns das Aktiv-Sein allerdings noch schwerer. Ein weiterer drastischer Fehler.


Kleine Highlights 
Trotzdem schwangen wir uns auf die Bikes und erkundeten die Umgebung des kleinen Städtchens. Ein Ausflug führte uns zum 8 km entfernten Anisakan Wasserfall. Acht Kilometer. Kein Ding, dachten wir. Das schaffen wir mit links. Fröhlich radelten wir den Berg hinab, bis uns eine ernüchternde Erkenntnis kam: der Rückweg würde kein Zuckerschlecken werden. Es ging tatsächlich die gesamte Zeit steil bergab und unsere Fahrräder waren so schlecht, dass sogar das anstrengend war. Doch am Ziel angekommen, hieß es Augen zu und durch. Wir wanderten erneut fast eine Stunde einen steilen Pfad bergab zum Fuß des Wasserfalls. Der Weg raubte uns die letzte Kraft und so verzogen wir uns unten angekommen an ein schattiges Fleckchen, steckten die Füße ins kalte Nass und genossen ein kleines Picknick. Der Wasserfall war schön, doch sicher kurz nach der Regenzeit noch viel imposanter. Trotzdem wollten wir nicht zurück. Vielleicht hatte das aber vor allem mit der Aussicht auf den Rückweg zu tun…
Eine nette Gruppe myanmarischer Jungs, die Stefan anhimmelten, zauberte dann allerdings doch ein Lächeln auf unsere Lippen und versüßte uns den Aufstieg. Nachdem jeder einzelne ein Foto mit meinem Supermodel ergattert hatte, entstand die lustigste Unterhaltung eh und je. Mit nur wenigen Brocken Englisch ihrerseits und noch weniger Worten Myanmarisch unserseits dienten Hände und Füße mal wieder als Kommunikationsmittel Nummer Eins.
Oben angekommen schlichen wir langsam zurück zu unseren Leihfahrräder und gestanden uns ein: wir wollten keinesfalls zurückfahren. Plan B musste her! Ein Fahrer, der sowohl uns als auch die Fahrräder zurück nach Pyin U Lwin bringen konnte, musste gefunden werden. Wie so oft fanden wir innerhalb weniger Minuten einen netten jungen Herren, der uns für wenig Geld mitnehmen wollte. Prima! Rein in den Pick-up und los. Doch schon nach einer gefühlten Minute Fahrt stoppten wir. Benzin leer. Absolut typisch! Das passierte uns in Myanmar tatsächlich ständig. Ruck zuck wurde ein Freund angerufen und neuer Sprit organisiert (aus dem Tank eines LKWs).

Am folgenden Tag ließen wir es gemächlich angehen und fuhren ganz dekadent mit einer Pferdekutsche zum Botanischen Garten. Wunderschön und absolut empfehlenswert! So viel Grün sahen wir während unseres gesamten Aufenthalts in Myanmar nicht wieder. Wir verbrachten den gesamten Tag hier, schlenderten umher, beobachteten die Tiere und Menschen und ließen es uns im Schatten gut gehen. Besonders interessant fanden wir die schwarzen Schwäne und die riesigen Tapire. Außerdem konnten wir zwei Pfauen bei ihrem Paarungstanz beobachten. Abgefahren. Da wird gerüttelt und geschüttelt was das Zeug hält und extrem hohe Laute von sich gegeben. So etwas hatten wir noch nie gesehen.

Ein toller, kurzer Aufenthalt und eine nette Abwechslung. Myanmar zeigt sich in Pyin U Lwin von einer ganz anderen Seite.



    Zusatzinformationen

    Anreise:
    Mandalay – Pyin U Lwin, per Pick-up, ca. 2 h, 1.500 Kyat p. P. (ca. 1,10 €)
    Mobilität:
    Leihfahrrad: 2.000 Kyat (ca. 1,50 €), Pferdekutsche: 7.000 Kyat (ca. 5,00 €) vom Zentrum zum Botanischen Garten
    Unterkunft:
    $ 20,00 p. N., 2 Personen, kein Frühstück
    Verpflegung:
    westlich, $ 4,00 - $ 5,00 p. P. (ca. 3,00 € - 4,00 €)
    Klima:
    Beginn der heißen, trockenen Jahreszeit, ca. 30 °C

Nicki
Myanmar, 18.03.2014

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