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Bagan – Stadt der tausend Tempel

Bagan, Myanmar – Februar 2014




Bagan gehört zweifellos neben Ankor in Kambodscha und Borobudur in Indonesien zu den architektonischen Meisterleistungen in Südostasien. Nicht nur eingefleischte Tempelfans kommen in der historischen Königsstadt und ehemaligem Herrschaftszentrum Myanmars auf ihre Kosten. Einen Abstecher in die Stadt der tausend Tempel sollte jeder Myanmarreisende einplanen. 

Von den einst mehr als 4.000 errichteten religiösen Gebäuden, stehen nach aktuellen Zählungen heute noch etwa 2.230. Damit zählt das 40 km² große Tempelareal zu den größten archäologischen Stätten Südostasiens. Ein Großteil der Sakralgebäude fiel im Laufe der Zeit dem Verfall, Plünderungen oder schweren Erdbeben zum Opfer. Doch auch im 21. Jahrhundert noch lassen wohlhabende Bürger neue Tempel errichten, um ihre Religiosität unter Beweis zu stellen. Eine Tatsache, die neben der mangelnden Denkmalpflege noch immer einer Ernennung zur Weltkulturerbestätte durch die UNESCO entgegen steht. 


Kein Schlaf in Schlafbussen
Die Anreise von Yangon ist einfach zu organisieren, jedoch nicht besonders angenehm. Für die fast 10-stündige Fahrt bietet sich die Reise mit einem Schlafbus an. Diesen Begriff solltest du jedoch nicht allzu ernst nehmen. An Schlaf war während unserer Fahrt jedenfalls nicht zu denken. Beinfreiheit gab es keine, der Fernseher plärte auf Myanmarisch und die Klimaanlage war auf Kühlschranktemperatur eingestellt. Als wir früh um 4:00 Uhr ankamen, wollten wir nur noch ein Hostel finden und schlafen. Nebenbei ergab sich folgende Frage: Warum fahren in Myanmar alle Schlafbusse so früh los, dass man mitten in der Nacht ankommt? Was spricht dagegen 3-4 Stunden später zu starten? Du hast die Lösung für dieses Rätsel? Dann kläre uns bitte auf!



Dank eines netten Trishaw-Fahrers (Fahrradrikscha) fanden wir in Windeseile ein bezahlbares Guesthouse in Nyaung U, einem Stadtteil nahe des Tempelareals. Hier und in Neu-Bagan tummeln sich die Reisenden und drängen in die zahlreichen Absteigen. Bezahlbar bringt im Land der Pagoden übrigens oft folgende Konditionen mit sich: fensterlos, winzig, geruchsintensiv. Dafür kostete das Zimmer jedoch auch nur 13 € pro Nacht. Ein Schnäppchen in Myanmar. Zusätzlich verfügte unser Hostel über zwei Pluspunkte: die Nähe zum Markt und einer süßen Bäckerei mit den besten Leckereien der Stadt. In den kommenden Tagen wurden wir zu Stammgästen und kehrten wahlweise zum Frühstück oder auch Kaffee hier ein.


Die Stars Bagans
Doch wir waren natürlich nicht des leckeren Gebäcks wegen nach Bagan gereist und so rafften wir uns auf und erkundeten das Areal. Als bekennende Tempelfans freuten wir uns enorm auf die zahlreichen Pagoden und religiösen Gebäude. Doch eins wurde schnell klar: Nachdem sich noch wenige Jahre zuvor die Bevölkerung über mangelnden Andrang beklagte, strömen heute Massen an Touristen in die kleine Stadt. Gasthäuser sind schnell ausgebucht, Touristenbusse werden zu den Hauptattraktionen gekarrt und an zahlreichen Stellen werden Pferdekutschen, Fahrräder und für besonders gut betuchte Kundschaft sogar Ballonflüge zum Sonnenaufgang angeboten.

Da heißt es Augen zu und durch. Noch ist das Touristenaufkommen sicher nicht mit dem in Ankor zu vergleichen und auf 40 km² sollten sich die Massen an Menschen ja vielleicht auch etwas verlaufen. Gegen das steigende Thermometer und die extreme Luftfeuchtigkeit konnten wir hingegen weniger unternehmen. Umso dankbarer waren wir für die kluge Voraussicht der Myanmaren und mieteten zwei E-Bikes. Was kann es Schöneres geben? Völlig mühelos erkundeten wir tagein, tagaus mit unseren batterieangetriebenen Fahrrädern das riesige Areal. Die Sonne brannte erbarmungslos, doch der Fahrtwind brachte eine kleine Abkühlung. Wir fühlten uns wie zwei übergewichtige Amerikaner, die nicht einen Schritt vor den nächsten setzen konnten. Ein riesen Spaß.

Zu unserer Überraschung trafen wir während unserer dreitägigen Erkundungstour nur selten auf Touristenströme. Das mag sicher vor allem daran liegen, dass es uns wenig Freude bereitete, die Pagoden einzeln zu besichtigen. Viele waren in einem schlechten Zustand, dreckig und heruntergekommen, nur wenige begehbar. Von Händlern erfuhren wir von abgelegenen Pagoden und den besten Plätzen für Sonnenaufgang- und untergang. Und so fuhren wir oft an weniger bekannte Stellen des Pagodenfeldes, kletterten auf abgeschiedene Tempel und genossen die unglaubliche Aussicht über das unendliche Areal. Manchmal saßen wir hier stundenlang und schauten zum Horizont. Es war nichts zu sehen außer tausenden Pagoden, Akazien und Gräsern. Besonders wenn die Tage sich dem Ende neigten und die Sonne die Umgebung in ein tiefes Orange-Rot tauchte, konnten wir uns nur schwer lösen.



Doch nichts, absolut nichts, ist mit einem Sonnenaufgang im Pagodenfeld zu vergleichen. Dieser kaum zu beschreibende Anblick wird für immer in unserer Erinnerung bleiben. Er gehört mit zu den schönsten Erlebnissen unserer gesamten Südostasienreise.
Jeden Morgen kletterten wir früh um 5:00 Uhr aus den Betten, zogen sämtliche Kleidungsstücke übereinander und radelten zum Tempelareal. Kein einfaches Unterfangen, denn die Nächte waren dunkel. Nicht ein einziger Stern noch der Mond leuchtete uns den Weg. Wir konnten keine zwei Meter sehen. Nur durch bloßen Zufall trafen wir am ersten Morgen auf ein Pärchen, das uns weit weg vom Touristenstrom leitete. Wir folgten ihnen über kaum befahrbare Waldwege, blieben an Büschen hängen und kratzten uns die Beine auf. Doch plötzlich ragte eine verlassene Ruine vor uns auf. Schweigend kletterten wir auf die zerfallene Pagode, kuschelten uns aneinander und genossen den Augenblick. Die Morgenluft war kühl. Wir konnten unseren eigenen Atem sehen. Die Umgebung war in einen dichten Schleier aus Nebel und Rauch getaucht. Nur schemenhaft konnten wir die Umrisse von naheliegenden Bäumen, Büschen und Gebäuden erahnen. Der Duft von frisch verbranntem Laub lag in der Luft. Wir warteten gespannt. Langsam ging die Sonne auf und hüllte die Landschaft in ein wunderschönes Orange-Gelb. Nach und nach tauchten die Pagoden auf und plötzlich lag ein riesiges Pagodenfeld vor uns. Am Horizont sahen wir bunte Ballons in den Himmel aufsteigen und über das Areal hinweggleiten. Es war mystisch. Friedlich. Unbeschreiblich. Nur schwer konnten wir unsere steifen Glieder aufwecken und uns von diesem Anblick losreisen. Wir waren so überwältigt, dass wir jeden folgenden Morgen zu diesem Ort zurückkehren sollten. Und so saßen wir auch am Tag unserer Abreise hier, diesmal nur wir zwei. Wir genossen die besondere Stimmung und taten etwas für uns völlig Untypisches: Die Kamera blieb in der Tasche.


Der Zufall entscheidet
Wem die volle Tempeldröhnung vielleicht doch etwas zu viel ist, kann in Bagan auch herrlich entspannt durch die Gassen laufen und sich treiben lassen. Nach nur wenigen Schritten bist du dem Gedrängel der Touristen entgangen und mitten im Gewusel der Einheimischen gelandet. Zudem solltest du dir den Besuch des nahe gelegenen Marktes nicht entgehen lassen. Früchte und kleine Naschereien werden hier zu einem Spottpreis verkauft und mit Händen und Füßen kannst du leicht ins Gespräch mit den zahlreichen Händlern kommen. Mit ein wenig Glück bekommst du hier vielleicht sogar noch den ein oder anderen Geheimtipp.



Eine Zufallsbegegnung brachte uns auch zu dem eher ungewöhnlichen Tagesausflug zum Mount Poppa. Von diesem Berg hatten wir zwar noch nie gehört, doch warum eigentlich nicht? Es stellte sich als goldrichtige Entscheidung heraus, denn wir trafen auf drei ganz wundervolle Menschen.
Pünktlich um 9:00 Uhr startete unsere kleine Reisegruppe. Die Fahrt zum Berg dauerte etwa zwei Stunden und war auf ihre ganz eigene Weise beeindruckend. Wir fuhren vorbei an zahlreichen kleinen Dörfchen, Feldern und vor allem jede Menge dürrem Land. Myanmar ist zu dieser Zeit von staubiger Wüste und Steppe überzogen. Die Felder vertrocknet, Pflanzen verdorrt, weit und breit kein grüner Fleck. Es wurde deutlich, die Trockenzeit steht bevor und schon jetzt hatte es seit Wochen keinen Regen mehr gegeben. Bei einem kleinen Stopp probierten wir einige regionale Leckereien: Tamarinden-Marmelade und ein nicht zu identifizierendes Tamarinden-Gummizeug, Palm-Whiskey und mein Favorit – Kokosraspeln mit warmen Karamell. Mmh. Frisch gestärkt ging es weiter. Am Berg angekommen, mussten 777 Stufen erklommen werden. Neben aggressiven Makaken begleiteten zahlreiche Bettler unseren Weg. Es war anstrengend und die Aussicht entschädigte nur wenig für die Mühe. Highlight des Tages war ohne Frage unsere nette Begleitung. Wie schon so oft auf unserer Reise merkten wir, dass es oft nicht die Orte selbst, sondern diese Begegnungen sind, die über das Gelingen eines Tages entscheiden.


    Zusatzinformationen

    Anreise:
    Yangon – Bagan, per Bus, ca. 10 h, 15.000 Kyat p. P. (ca. 12,00 €)
    Eintritt Tempelareal:
    $ 30 p. P. (ca. 20,00 €) (Stand März 2014)
    Mobilität:
    E-Bikes, $ 9,00 pro Fahrrad (ca. 6,00 €); Pferdekutschen
    Unterkunft:
    $ 18,00 pro Nacht (ca. 13,00 €), 2 Personen, ohne Frühstück
    Verpflegung:
    myanmarisch, ca. 2,50 € p. P.)
    Klima:
    Ende der kühlen, trockenen Jahreszeit (Nov - Feb), ca. 30°C

Weitere Fotos findest du HIER.


Nicki
Myanmar, 10.03.2014

Kommentare:

  1. na das ist ja ein tolles Titelfoto. Ich liebe Gegenlichtaufnahmen. Schade das der Balon nicht etwas höher genau an der Sonne vorbeischwebt. Aber auch so einfach nur der Hammer -Gruß Pappsler

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    1. Vielen Dank Pappsler. In Echt war es noch tausend Mal schöner. Und von einem solchen Heißluftballon aus wäre es sicher noch besser gewesen. Vielleicht nächstes Mal :-).
      Liebe Grüße, Stefan

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