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Mit Mr. Vu in die Highlands Vietnams

Vietnamesisches Hochland (Buon Ma Thuot, Lak Lak), Vietnam – Oktober 2013


Vietnam war bisher wunderschön, keine Frage, aber eben auch sehr touristisch. Wir waren bereits drei Wochen im Land und hatten nie das Gefühl, allein zu sein. Die Touristen waren überall. So langsam wollten wir mal wieder raus aus dem Trubel. Doch was konnte man tun, um den Touristenmassen zu entkommen? Ganz klar, man muss die ausgetrampelten Pfade verlassen. Aber wie?
Noch in Nha Trang schlenderten wir gemütlich durch die Straßen. Plötzlich stach uns ein Plakat ins Auge: "Easy Rider Tour  mit dem Motorrad durch das vietnamesische Hochland". Wir, vor allem Stefan, waren sofort Feuer und Flamme. Nach einigem Hin und Her, das Ganze erwies sich nämlich als ziemlich teuer, engagierten wir einen Guide und planten gemeinsam unsere Tour. Grob umrissen ergab sich folgender Plan:
  • Dauer: 3 Tage 
  • Route: südliches vietnamesisches Hochland 
  • Endziel: Da Lat 
  • Übernachtungen: Buon Ma Thot, Lak Lak 
  • Ausrüstung: zwei Motorräder (Stefan und Nicki auf einem, unser Guide Mr. Vu und das gesamte Gepäck auf dem anderen) 
So viel zu den nüchternen Fakten. Was uns allerdings wirklich in den nächsten drei Tagen erwartete, kann man kaum beschreiben.

Tag 1 – Raus aus der Stadt
Der erste Tag begann früh um 9:00 Uhr. Tagesziel war Buon Ma Thuot. Noch etwas zögerlich ging´s los. Neues Motorrad, volle Straßen und keine erkennbaren Verkehrsregeln. Nach gut fünf Minuten Fahrt blieb unser Motorrad auch noch stehen. Sprit leer. Super Start :-). Also schnell aufgetankt und nächster Versuch. Nach nur wenigen Kilometern ließen wir die Stadt hinter uns und befanden uns auf einer leeren Straße in den Bergen. Toll! Genau so hatten wir uns das vorgestellt. 
Vor uns lagen heute ca. acht Stunden Fahrt mit zahlreichen Zwischenstopps. Zuerst hielten wir an einem Fischmarkt und mischten uns unter die Einheimischen. Der Gestank war unglaublich. Alle waren beschäftigt  es wurde aus- und eingeladen, Fisch umher gekarrt und eifrig gehandelt. Wir standen überall im Weg, wurden umhergeschubst und skeptisch angestarrt. Sehr lustig. Nur wenige Kilometer weiter stoppten wir mitten in einem Zuckerrohrfeld und kauten zum ersten Mal in unserem Leben auf den hölzernen Stangen herum. Schmeckt tatsächlich süß. Zuckerrohr ist übrigens die Süßigkeit Nr. 1 für die Einheimischen. Können wir jetzt gut nachvollziehen, doch auf Milka und Co. wollen wir langfristig gesehen dann doch nicht verzichten.
Außerdem hielten wir an einer Pilzzucht, einer Holzschnitzerei und einer Gummibaumplantage. Überall kamen wir mit den Einheimischen ins Gespräch und lernten eine Menge über ihre Lebensweise. Auf einer Kakaoplantage stibitzte der liebe Mr. Vu noch eine Frucht für uns, die wir später heimlich probierten. Doch auch das dient definitiv unbehandelt nicht als Schokoladenersatz. 
Nach diesem ereignisreichen Tag brauchten wir abends erst einmal eine Dusche und vor allem etwas zu Essen. Mr. Vu nahm uns in ein tolles einheimisches Restaurant mit und so landeten wir mal wieder auf den typischen Miniplastikstühlen im Neonlicht. Das Essen war super lecker: Es gab in Honig eingelegtes Rindfleisch, dass wir selber auf einem kleinen Tischgrill grillten und Schweinefleisch mit Gemüse und einer unendlich leckeren Sahnesoße. Toller Abschluss! Völlig kaputt und glücklich fielen wir in die Betten.



Tag 2 – Vietnam duftet
Am nächsten Tag ging´s wieder pünktlich um 9:00 Uhr los. Es erwartet uns ein voller Tag. Nach einem kurzen Stopp auf einer Currypflanzenplantage, wo wir uns lustige Kriegsbemalung zulegten, fuhren wir zu einem wunderschönen, beeindruckenden Wasserfall. Es war der Wahnsinn. Das Wasser war klar und strahlend blau und endlich auch mal wieder kalt. Also nichts wie rein in die Fluten und abgekühlt. Traumhaft. Man konnte sich sogar im Wasserfall "duschen" und bekam noch eine kostenlose Massage. Danach sonnten wir uns auf den Steinen und genossen das tolle Wetter. Es war auch eine kleine, lustige Gruppe Vietnamesen anwesend, mit denen wir ein wenig plauderten. Alle waren unheimlich nett und luden uns sogar zum Essen ein. Doch für uns musste es so langsam weiter gehen, denn es gab ja noch viel zu sehen. 
Es ging vorbei an zahlreichen Reisfeldern, auf denen hunderte Arbeiter und Arbeiterinnen in der prallen Sonne den Reis ernteten, an Kühen, Bergen und Seen und natürlich an vielen kleinen Dörfchen, wo überall Reis und Kaffee am Straßenrand getrocknet wurde. Der Duft der Felder und Dörfer stieg uns überall in die Nase. Es roch nach Nelken und Kaffee, Schweinen und Kühen, nach Speisen aus den Garküchen am Straßenrand und verbranntem Müll. 
Zum Mittagessen probierten wir endlich das Nationalgericht Phõ – eine würzige Nudelsuppe mit Rindfleisch. Zum Nachtisch gab's Pancakes mit Bananen vom Straßenrand. Danach fuhren wir weiter, vorbei an unendlich vielen Feldern mit Mais, Reis und Zuckerrohr und hielten an einer kleinen Kaffeeplantage. Die beiden netten Besitzer ernteten gerade Kaffee und freuten sich riesig über unser Interesse. Wir plauderten ein wenig und waren am Ende etwas erschrocken als sich herausstellte, dass das Pärchen erst Anfang fünfzig war. Beide waren durch die jahrelange Arbeit so gezeichnet, dass wir sie für Anfang achtzig gehalten hatten.
Zum Anschluss bestiegen wir den Elefantenfelsen, einen eigenartigen Stein, der ziemlich künstlich aussah, von dem man aber einen tollen Ausblick hatte. 
Es war ein toller Tag! Vor allem an die vielen vollgepackten Roller, werden wir uns noch ewig erinnern: Da gab es einen, der meterhoch mit Kisten beladen wurde. Oder einen anderen, auf dem man ein Fahrrad transportierte. Doch der Kurioseste war mit ca. 40 lebenden Hühnern beladen, die einfach an den Beinen festgebunden an der Seite herunterbaumelten. Wahnsinn. 
Auch der Abend war toll: Wir verbrachten ihn mit einer anderen Motorradgruppe. Es gab gutes Essen, Tanz- und Gesangseinlagen von den Guides und der Reisschnapps floss in rauen Mengen. Wir übernachteten bei Einheimischen in einem traditionellen Longhouse  ein längliches Haus auf Stelzen  in Lak Lak. Eine sehr lustige Erfahrung, denn direkt unter uns schliefen die Tiere der Familie  Schweine, Hühner und Hunde  und wir konnten sie durch die Schlitze im Boden sehen und hören.



Tag 3 – Endstation Dalat
Und dann war schon der letzte Tag gekommen. Doch auch an diesem stand noch eine Menge an. Früh standen wir mit den Hühnern auf und erkundeten das kleine Dorf Lak Lak. Es bestand im Prinzip nur aus einer kleinen Straße, an deren Seiten eine Hand voll Longhouses standen. Überall liefen kleine Kinder umher und zahlreiche Tiere. Wir fühlten uns wie um Jahre oder gar Jahrzehnte zurückversetzt: Es gab weder Elektrizität noch fließendes Wasser. Keine Bäder oder gar Toiletten. Zum Zähneputzen und einer Katzenwäsche mussten wir tatsächlich ins nahe gelegene Restaurant laufen. Was für ein Erlebnis. 
Danach ging´s wieder auf die Motorräder und rauf auf die Straße. Die Strecke war an diesem Tag schöner als zuvor: Wir fuhren durch zahlreiche Kurven, bergauf und bergab, vorbei an einer atemberaubend schönen Landschaft. Nach einem kurzen Stopp an einem schwimmenden Dörfchen, hielten wir an einer Imkerei. Der Anblick war unfassbar: Hunderte Kisten voller Bienen und die Imker hantierten völlig ohne Schutz  keine Handschuhe, Gesichtsmaske oder Hut. Unglaublich. Wir hatten einen riesen Respekt vor diesen Männern und machten uns schnell wieder auf den Weg. 
Es ging zu einer Pfeffer- und einer Dragonfruitplantage und zur sogenannten "Monkeybridge", die nur aus wenigen zusammengezimmerten Brettern besteht (echt gruselig!). Und dann fährt da auch noch einer mit dem Roller drüber. Die spinnen doch die Vietnamesen! Danach probierten wir zum ersten Mal Guave  unglaublich lecker  und klauten in einem Garten Passionsfrüchte, aus denen wir später einen super leckeren Saft machten.
Schließlich landeten wir in einer Reisschnappsbrennerei, wo wir alles über die Herstellung lernten und natürlich auch ausgiebig probieren mussten bzw. durften. Vorbei an zahlreichen Kaffee- und Teeplantagen fuhren wir dann noch zu einer Seidenfabrik. Super interessant, aber auch traurig. Merke: Nie wieder Seide kaufen! Zum Abschluss des Tages probierten wir auch noch den hoch gelobten Wieselkaffee. Ja, den Kaffee, der von Wieseln gefressen und dann wieder ausgeschissen wird. Nun ja. Ohne Worte. 
Wenige Kilometer später erreichten wir unser Endziel Dalat. 



Was soll man sagen? Es war der Wahnsinn! Das südliche Hochland ist eine faszinierende Landschaft voller Berge, Seen, Wälder und Wasserfällen, in der viele ethnische Minderheiten ihre althergebrachten, kulturellen Besonderheiten pflegen. Die Menschen waren extrem nett und neugierig. Wir wurden überall freundlich aufgenommen und angesprochen. Außerdem haben wir unendlich viel gesehen und erlebt. In diesen drei Tagen lernten wir mehr über Vietnam, seine Kultur und Geschichte als in den gesamten drei Wochen zuvor. Es war eine tolle Erfahrung und die Tour gehört definitiv zu den Highlights unserer gesamten Reise, auch dank unseres tollen Guides Mr. Vu. Tausend Dank!


Für alle Interessierten noch folgende Anmerkungen:
Für wen geeignet? Für alle Neulinge im Reisen durch Südostasien und diejenigen, die wenig Erfahrung mit den Straßenverhältnissen, Verkehrsregeln und dem Motorradfahren haben. 
Für wen nicht? Individualreisende mit Erfahrung und diejenigen, die gern langsam unterwegs sind und an Orten verweilen.
Vorteile? Der Guide kennt die Strecke und hält an allen "Sehenswürdigkeiten". Sprachliche Barrieren werden durch den Guide überbrückt. Gespräche mit Einheimischen sind so einfach. Unser Guide war zudem sehr flexibel, zeigte uns nur Dinge, die uns interessierten.  
Nachteile? Die Tour ist voll gepackt. Zeit, um lange an besonders schönen Orten zu verweilen, bleibt kaum.
Alternative? Miete oder kaufe ein eigenes Motorrad, besorg dir eine gute Karte und mach dich auf eigene Faust los. 


Nicki
Vietnam, 03.11.2013

Kommentare:

  1. Wow, das klingt und sieht ja mal wieder fantastisch aus. Wunderschöne Bilder.
    Aber ich sehe, dass ich euch mit meiner Gesichtskrankheit angesteckt habe. ;o)
    Und wie hat der Wiesel-Kack-Kaffee geschmeckt?

    Liebe Grüße,

    Annuschki

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    1. Hallo meine liebe Anni,
      also der Kaffee war geschmacklich sehr intensiv. Aber auf jeden Fall mal ne gute Erfahrung.
      Am besten kommst du einfach mal rüber und probierst ihn selber :-).
      Liebe Grüße, Stefan

      Kommentar vom 10. Januar 2014 um 02:30

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  2. Also Eure Bildersammlung entwickelt sich langsam als richtiger Schatz... Denkt dran - Schleichwerbung (von wegen Milka und co) ist verboten!!! Unter einem Wasserfall muss ich unbedingt auch mal stehen...

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  3. kein Wunder, dass es zu DDR-Zeiten nur alte Autos gab, wenn jetzt noch die W50 in Vietnam rumfahren ;-) Gruß Pappsler

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    1. Ach Pappsler,
      ich wusste doch, dass der dir gefällt. Den hab ich nämlich extra nur für dich fotografiert.
      Liebe Grüße, Stefan

      Kommentar vom 10. Januar 2014 um 02:32

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