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Das "Rote Herz" Australiens

Das "Rote Herz" Australiens
West MacDonnell Nationalpark, Watarrka Nationalpark und Uluru - Kata Tjuta Nationalpark, Australien – Oktober 2015



Mal wieder sitzen wir im Gerdi* und fahren. Kilometer um Kilometer. Nur langsam kommen wir voran. Die Wüste zieht an uns vorbei. Die Sonne steht hoch am Himmel und brennt erbarmungslos. Wie sehr wünschen wir uns doch von Zeit zu Zeit eine Klimaanlage. Doch zum Glück strömt der Wind durch die Fenster und rüttelt unseren kleinen Van ordentlich durch. Nur ab und an kommt uns ein Fahrzeug entgegen.

Wir sind auf dem Weg zum wohl bekanntesten Wahrzeichen Australiens – dem Riesenmonolith Uluru. Auf der Strecke liegt unser nächstes Teilziel: Alice Springs, eine der isoliertesten Städte der Welt. Doch die nette Dame in der Touristeninformation wies darauf hin, dass Alice Springs "just down the track" ("gleich am Ende des Weges") liegt. Allerdings sind es dann doch 1550 km, die das kleine Städtchen von Darwin trennen.


Zähe Stunden im Auto mit kleinen Highlights
Und so fahren wir weiter. Der Himmel ist wolkenlos und von einem so intensiven Blau, das man sich darin verlieren könnte. Die Landschaft ist flach und eintönig, die Erde leuchtend rot. Nur selten wird die öde Wüstenlandschaft unterbrochen. Doch ab und an, werden wir überrascht. So stehen wir plötzlich, nach stundenlanger Fahrt durch die Wüste, inmitten einer grünen Regenwaldoase. Hier, bei den Bitter Springs, entspringen wie aus dem Nichts Thermalquellen, in denen man ein heißes Bad nehmen und sich von der langen Fahrt entspannen kann. Wir lassen uns im warmen Wasser treiben und können uns nur schwer aufraffen wieder in unseren Van zu steigen und weiterzufahren. Doch noch einmal werden wir belohnt. Weiter südlich, "just down the track", durchbrechen plötzlich riesige, abgerundete Felsbrocken aus Granit die Monotonie der Strecke. Die Devils Marbles, bei den Ureinwohnern als die Eier der mythischen Regenbogenschlange geltend, sind für uns eine wilkommene Abwechslung und ein Grund zum Innehalten. Als abends die untergehende Sonne die in merkwürdigen Winkeln balancierenden Felskugeln kaminrot anleuchtet, sitzen wir gemütlich vor einem Lagerfeuer und beobachten das wunderschöne Naturschauspiel. Doch leider kommt viel zu schnell der nächste Morgen und damit ein weiterer langer Tag im Auto.



Nach vielen Stunden auf dem Highway erspähen wir endlich das langersehnte Schild: Alice Springs. Wir sind da. Lange kann uns dieses kleine Städtchen allerdings nicht halten, denn wir sind voller Tatendrang. Wir wollen uns bewegen, wandern, etwas sehen. Und so schlendern wir nur kurz durch die kleinen Gassen, gönnen uns ein riesen Eis und füllen unsere Vorräte auf. Und dann geht´s weiter. Voller Vorfreude steigen wir erneut ins Auto und los geht´s in die West MacDonnell Ranges.


Idylle am Flussufer – West MacDonnell Nationalpark
Die MacDonnell Ranges sind ein altertümlicher, verwitterter, schmaler Gebirgsrücken, der sich vor Millionen von Jahren am Meeresboden befand. Von Norden nach Süden fließende Flüsse haben hier vor langer Zeit Schluchten in die Felsen der Ranges gegraben. Die Landschaft ist fast unwirklich: weite, fahlgelbe Grasebenen, aus denen oft ein Ghost-Gum-Baum mit seinem charakteristischen, leuchtend weißen Stamm emporragt, Bergrücken und Felsen, die je nach Tageszeit in allen möglichen Rot- und Goldtönen leuchten, überwölbt von einem tiefblauen, meist wolkenlosen Himmel. Wanderfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten und das Beste: Wasserlöcher! Endlich gibt es wieder eine gefahrenfreie (keine gefährlichen Krokodile mehr) Möglichkeit sich abzukühlen.



Inmitten dieser wunderschönen Landschaft fanden wir den perfekten Platz zum Campen: idyllisch gelegen, an einem kleinen Fluss mit glasklarem Wasser, unter einem gigantischen Baum, der uns den gesamten Tag Schatten spendete. Hier konnte man seine Seele baumeln lassen. Und so verbrachten wir hier natürlich mal wieder mehr Zeit als geplant. Aus zwei Tagen wurden mal eben acht. Wir erkundeten den Nationalpark, durchwanderten mehrere Schluchten, badeten in eiskalten Wasserlöchern, saßen abends am Lagerfeuer und schliefen unter dem riesigen Sternenhimmel. Wie wir es jemals aus dieser Idylle weggeschafft haben, ist mir bis heute ein Rätsel.


Extreme Dürre und unerbittliche Hitze – Watarrka Nationalpark (Kings Canyon)
Und doch saßen wir eines morgens wieder im Auto und wurden kräftig durchgerüttelt und geschüttelt. Der 160 km lange Mereenie Loop, der die West MacDonnell Ranges direkt mit dem Kings Canyon verbindet, verlangte unserem kleinen Gerdi* alles ab. Es dauerte uns ganze fünf Stunden bis wir erschöpft und müde endlich unser Ziel erreichten. Doch wir wurden nicht enttäuscht. Der vierstündige Rim-Walk, der einmal um die Schlucht herum führt, ist einzigartig. Nachdem du gleich zu Beginn den anstrengenden Anstieg hinter dich gebracht hast, bieten sich unglaubliche Aussichten. Die Sonne, die gerade erst aufgegangen war, tauchte den Canyon in wunderschöne Farben. Und so wanderten wir durch die extreme Dürre und staunten über die vereinzelten Bäume und Pflanzen, die sogar in dieser Umgebung überleben konnten. An einer besonders schönen Stelle genossen wir unseren kleinen Lunch und ließen den Blick in die Ferne schweifen.




Achtung, Achtung! Warnungen für Nachahmer:

1. In dieser wunderschönen Umgebung gibt es kleine, fiese und gemeine Biester, die einem wirklich den ganzen Tag versauen können. Fliegen. Und zwar tausende davon! Überall. Sie krabbeln dir in jede Öffnung. Ganz besonders gerne in Nase, Augen, Mund und Ohren. Abartig. Also für jeden, der sich jetzt inspiriert fühlt auch einmal in diese wunderschöne Umgebung zu fahren folgender Tipp: Nimm ein Fliegennetz mit!

2. Und für alle Langschläfer noch ein Hinweis: Es wird heiß. Extrem heiß! Die Sonne kennt hier kein Erbarmen und bringt dich fast zum Schmelzen. Deshalb wird der Weg an besonders heißen Tagen (mehr als 36 Grad) um 9:00 Uhr geschlossen. Früh sein lohnt sich also.



Einfach ein Stein? – Uluru-Kata Tjuta Nationalpark
Und schließlich war es soweit. Wir hatten es schon kaum noch geglaubt. Nach stundenlanger langweiliger Autofahrt durch die unendlichen Weiten war der Tag gekommen. Wir machten uns auf zum großen Wahrzeichen Australiens – dem Uluru. Unsere Erwartungen waren allerdings gering. Nach tagelanger Abgeschiedenheit war klar, leer würde es in diesem Nationalpark mit Sicherheit nicht sein. Und die Aussicht auf tausende Touristen schreckte uns ein wenig ab. Außerdem hatten wir von anderen Reisenden schon oft folgende Sätze gehört: "Naja, ist halt ein riesiger Stein. Mehr nicht." Doch wenn man schon mal um die Ecke ist, konnte man ja auch mal vorbeischauen. Diesen Stein wollten wir nämlich doch ganz gerne mit eigenen Augen sehen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Ein wenig mehr als ein schnöder Stein ist es dann nämlich doch.



Der Uluru besteht aus 650 Mio. Jahren altem Arkose-Sandstein und hat an der Basis einen Umfang von 9 km. Er ist 3,5 km lang, 2,4 km breit und 348 m hoch. Wahrscheinlich setz er sich auch noch einige 100 m unter der Erde fort. Doch das Besondere: Es handelt sich um einen Riesenmonolith, das heißt, einen natürlich entstandenen Gesteins­block, der komplett aus der gleichen Gesteinsart besteht. Es gibt weder Risse noch Brüche, die sich durch den gesamten Stein ziehen, lediglich Spuren der Erosion in Form von tiefen Rillen und eigenartigen Mustern an der Felsoberfläche. Erstaunlicherweise ist der Uluru übrigens nur der zweitgrößte Monolith der Welt. Zu unserer Überraschung erfuhren wir, dass der größte sich ebenfalls in Australien befindet. Es ist der Mount Augustus in Westaustralien. Noch nie gehört? Wir auch nicht!



Doch der Stein, der hier vor uns ragte, genügte uns im Moment. Es war beeindruckend! Wir empfanden es ganz und gar nicht nur als irgendeinen Stein, sondern als ein ziemlich imposantes Meisterwerk. Die Ausmaße erschließen sich übrigens am besten bei einer Wanderung um den Uluru. 10 km! Unglaublich. Wir waren beeindruckt und ließen uns natürlich auch die touristischen Highlights nicht entgehen – Uluru bei Sonnenauf- und untergang. Ohne Worte. Man muss es einfach gesehen haben. Und auch die Touristen hielten sich zu unserer Überraschung in Grenzen. Vielleicht hatten wir auch einfach mit Schlimmerem gerechnet.

Solltet ihr übrigens mal in der Nähe sein, müsst ihr unbedingt auch bei den "Olgas" vorbeischauen. Die 36 mächtigen, kuppelartigen Felsen Kata Tjuta, 41 km westlich vom Ayers Rock Resort, ragen ebenso unvermittelt aus der Ebene wie der Uluru. Sie sind weniger bekannt und so verschlägt es nur eine handvoll Touristen hier her. Und der Wanderweg durch diese Landschaft ist einfach unbeschreiblich schön. Vor einem strahlend blauen Himmel zeichnen sich die rot leuchtenden Felsen und grünen Bäume und Pflanzen ab. Die Farben waren von einer solchen Intensität wie wir sie selten gesehen haben.



Doch wie so viele schöne Momente musste auch unser Aufenthalt im Zentrum Australiens einmal zu Ende gehen. Und so schön diese karge Umgebung auch ist, so ganz schwer fiel uns der Abschied am Ende doch nicht. Denn die Sonne, oh, die Sonne. Sie ist nicht unser allerliebster Freund ;-).


Da Fotos meistens mehr sagen als tausend Worte, gibt es HIER noch viel mehr davon :-).


* Gerdi ist der Name unseres Campervans

Nicki
Australien, 29.10.2015

Kommentare:

  1. Wow, das klingt wirklich nach einer interessanten Zeit! So eine außergewöhliche Natur! So wie der Text geschrieben ist, kann man sich eure Tour richtig gut vorstellen.
    Das Bild mit dem Gerdi vorm Uluru hat mir besonders gefallen. Zuerst dachte ich, ich gucke nicht richtig.
    Aber wie ist das eigentlich mit den Ureinwohnern? Trifft man die in der Gegend noch an? Oder ist das völlig verschwunden, dass sie im Outback leben?

    Jedenfalls wieder ein sehr schöner Beitrag!

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte.
      Die Ureinwohner leben tatsächlich immer noch in Australien. Gerade im Norden und im Zentrum Australiens sind wir sehr häufig auf sie gestoßen. Manche leben in den größeren Städten wie Darwin, Broome oder auch Kathrine, doch einige haben sich ihre traditionelle Lebensweise weitestgehend erhalten und leben in abgeschiedenen Communities.
      Liebe Grüße, Nicki

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  2. Wie lange habt ihr für diese Tour ungefähr gebraucht?
    Und es ist wirklich ein sehr schöner Beitrag :)

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  3. Für die gesamte Etappe, von Kathrine zum Uluru, haben wir ca. drei Wochen gebraucht. Wir reisen allerdings sehr langsam und haben allein eine Woche in den West MacDonnell Ranges verbracht.
    Bist du zügiger unterwegs und bummelst nicht so rum wie wir, ist es sicher auch in 1 1/2 Wochen machbar.
    Ganz viel Spaß dabei,
    Nicki

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