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Mittellos am Ende der Welt




Im März 2014 saßen wir auf einer Parkbank in Mawlamyine, Myanmar. Unsere Reise durch Asien war zu Ende. Das stand fest. Acht Monate hatte sie gedauert. Doch nun waren unsere Bankkonten leer. In unserer Tasche befanden sich noch 500 Euro. Die Reise in dieses Land war ein finanzielles Risiko gewesen. Das hatten wir gewusst. Doch unserer inneren Stimme folgend hatten wir Myanmar einfach bereisen müssen, bevor es vollkommen vom Tourismus zerfressen werden würde. 

Da standen wir nun. Arbeitslos, obdachlos und vor allem völlig planlos. 


Zurück nach Deutschland? 
Es war klar, Entscheidungen mussten getroffen werden. Wie sollte es weiter gehen? Die Frage belastete uns stark. Bereits vor Wochen hatte sie sich in unser Unterbewusstsein geschlichen, ganz leise, fast unbemerkt. Doch umso weniger Geld sich auf unseren Konten befand, umso lauter wurde sie. Sie hatte sich in unser Bewusstsein gedrängt und verlangte nach Antworten. 

Eigentlich stand es schon lange fest: Zurück nach Deutschland wollten wir nicht. Doch es fiel uns schwer, die Wahrheit laut auszusprechen. Tagelang schoben wir eine Entscheidung auf, sprachen nur selten über die Zukunft. Wir zwei waren in unseren Gedanken gefangen. Lange lag das Unausgesprochen in der Luft. 

Schließlich fiel die Entscheidung. Ohne große Worte wählten wir die naheliegendste Möglichkeit – ein "Work and Travel" Jahr in Australien. Das Land lag quasi um die Ecke und die Flüge waren günstig. Und eines war klar: Wir mussten Geld verdienen, schnell. Zudem reichte das Geld für zwei Rückflugtickets nach Deutschland ohnehin nicht mehr. 


Unzählige Fragen und große Hoffnungen
Im Grunde genommen war es eine fixe Idee. Sie entsprach dem verzweifelten Wunsch, unsere Auszeit zu verlängern. Wie konnten wir dieses pure Glück wieder aufgeben? Die Angst zurück nach Deutschland zu gehen und in alte Gewohnheiten zu fallen, war einfach zu groß. Wir brauchten mehr Zeit, um zur Ruhe zu kommen, zum Nachdenken. Denn die Zweifel an unserem Leben in Deutschland waren immer größer geworden. Das Gewissen plagte uns täglich mit neuen Fragen: Was erwarten wir vom Leben? Was ist uns wirklich wichtig? Wer wollen wir sein? Wie wollen wir unser Leben gestalten? Was brauchen wir zum Glücklichsein? 

Endlich begannen wir über den Sinn und Zweck unseres Lebens nachzudenken.   

Doch was bedeutete das eigentlich genau? Warum hatten wir den unbändigen Drang unsere Auszeit weiter zu verlängern? Welche Veränderungen versprachen wir uns?

    Entschleunigung!  Wir sehnten uns nach Ruhe. Nach Ruhe und Zeit. Von nun an wollten wir unsere Auszeit anders angehen. Wir wollten nicht weiter hetzen, von Stadt zu Stadt, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Wir wollten unsere Schritte endlich verlangsamen, das Tempo drosseln. 




    Sinnfindung! Oft musste ich damals an meinen Psychologieunterricht in der Schule zurück denken. Besonders an den wöchentlichen Stuhlkreis und unsere Gespräche. Meine Psychologielehrerin stellte dabei folgende Frage: Was liegt oben auf? Früher kam sie mir unendlich unpassend und altmodisch vor. Doch plötzlich kam sie mir immer öfter in den Sinn. Was liegt oben auf? Auf einmal fand ich diese Frage passend, den Kern meiner Fragen treffend. Was ist mir am allerwichtigsten im Leben? Was steht ganz oben auf meiner Prioritätenliste? Was brauche ich, um glücklich zu sein? 



    Interessen wecken! Die letzten Jahre waren meine Tage voll gewesen. Von früh bis spät habe ich gelernt, gearbeitet und organisiert. Pausenlos war ich beschäftigt. Nur selten habe ich mir Zeit genommen, zu entspannen, abzuschalten, etwas zu tun, was keinen Nutzen hat. Und wenn, dann habe ich meistens den Fernseher eingeschaltet, etwas Stupides geschaut. Mit der Zeit habe ich völlig vergessen, wo meine Interessen liegen. Was macht mir eigentlich Spaß? Was tue ich in meiner Freizeit gern?  




    Bewusster leben!  Während ich mit einer Freundin telefonierte, hörte ich Musik, las einen Artikel oder bereitete das Abendessen vor. Multitasking war gefragt! Schneller und effektiver sollte es sein. Doch es stresste mich. Oft war ich überfordert, vergaß Einzelheiten, Fehler passierten. Das machte mich unzufrieden. Wie oft erwischte ich mich dabei, abzuschweifen, meinen Gedanken nachzuhängen. Nur selten verweilte ich im Hier und Jetzt. Das wollte ich ändern. Besondere Momente wollte ich intensiver, bewusster erleben.   



















Wie die Reise weiter ging? Ob sich unsere Hoffnungen erfüllt haben? Ich werde es dir verraten, ganz bald ;-). 

Nicki

Kommentare:

  1. Ich mag dieses Bild! Du siehst nachdenklich, aber zufrieden aus.. :)

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    1. Ja, das trifft es ziemlich gut. Unsere Zeit in Myanmar war auch sehr schön und ich erinnere mich gern daran.

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