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Das süße Nichtstun



Auszeit bedeutet Durchatmen, Entschleunigung, Sinnfindung. Man hat Zeit zur Ruhe zu kommen, nachzudenken, sich über die wirklich wichtigen Dinge im Leben Gedanken zu machen. 

Doch seit wir Deutschland vor 115 Wochen verlassen, unsere Wohnung und Jobs aufgegeben hatten, sah es ein wenig anders aus. Die ersehnte Ruhe ließ erst einmal auf sich warten. 


Planung ist alles

Unsere Auszeit ging ich genau wie unser Leben an. Ich plante, akribisch. Der Reiseführer war mein bester Freund. Alles sollte möglichst reibungslos und effizient geschehen. Jeder Tag war anders. Jeder Tag war neu und aufregend. Wir wollten alles mitnehmen, Abenteuer erleben, unser Leben in Deutschland erst einmal vergessen. Ja, hin und wieder verweilten wir an besonders schönen Orten, verbrachten faule Tage, relaxten an wunderschönen Stränden und in süßen Cafés. Genossen das wundervolle Nichtstun. Doch eigentlich war es nie wirklich ein Nichtstun. Meistens lasen wir, schauten einen Film oder Serien, surften im Internet oder planten die Weiterreise. Zeit zum Innehalten nahm ich mir kaum. Zeit meinen Gedanken nachzuhängen, wichtige Fragen zu beantworten. Ich lenkte mich mit anderen Dingen ab. 

Im Nachhinein ist es schwer zu beantworten, ob all die wichtigen Fragen noch nicht aufgekommen waren oder ob ich zu ängstlich war, um sie zuzulassen, um sie zu durchdenken. Was, wenn ich keine Antworten finden würde? Was, wenn mir oder meinem Partner die Antworten nicht gefallen würden? 


Das Umdenken beginnt

Ich bereue nichts. Asien ist ein großartiger Kontinent. Wir haben wundervolle Länder bereist, atemberaubende Orte gesehen, aufregende Abenteuer erlebt, neue Kulturen und viele tolle Menschen kennengelernt. Oft sind wir über unsere Schatten gesprungen, haben uns weiterentwickelt – als Menschen und als Paar. 

Außerdem haben wir damals den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Wir waren ausgebrochen, haben uns neue Möglichkeiten eröffnet, sind langsam, aber stetig gewachsen. Und ganz nebenbei, heimlich, still und leise, war unser Packt außer Kraft getreten. Als kurz vor Neujahr der Anruf zu einem Bewerbungsgespräch kam, bedurfte es keiner großen Worte. Es war klar, dass wir zu Jahresbeginn nicht nach Deutschland zurückkehren würden. Der Entschluss war irgendwo zwischen Tempeln, Stränden und Resifeldern gefallen, ohne dass wir großartig darüber gesprochen hatten. Denn nach einigen Monaten wurden die Ruhephasen immer länger, wir blieben für mehrere Tagen an einem Ort, begannen auf unsere inneren Stimmen zu hören. Langsam drängten sich wichtige Fragen an die Oberfläche: Gibt es ein Zurück nach Deutschland in unser altes Leben? Wenn ja, kann alles so bleiben wie bisher oder müssen sich grundlegende Dinge ändern? Wenn nein, was wollen wir dann mit unserem Leben anfangen?


Nicki

Kommentare:

  1. Ich habe noch nicht viele Blogs gelesen, doch einige schon. Eure Seite gefällt mir bis jetzt am besten. Nicht weil ich euch kenne, sondern weil so unendlich viel Liebe darin steckt. Danke für die schönen Texte, die mich sehr berühren. Und danke für die tollen Bilder, Stefan. Weiter so ihr beiden!
    Daniel

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    1. Oh Daniel, so ein schöner Kommentar. Du weiß gar nicht wie sehr wir uns über solche lieben Worte freuen. Vielen vielen Dank! Wir freuen uns schon riesig darauf euch ganz bald wiederzusehen.
      Nicki

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