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Halsbrecherische Akrobatik in Battambang

Battambang, Kambodscha – Dezember 2013



Unsere Reise führte uns in den äußersten westlichen Zipfel Kambodschas, in das kleine Städtchen Battambang. Weshalb? Wir hatten das Gefühl, noch nicht genug von Kambodscha gesehen zu haben. Eine kleine verschlafene Stadt kam uns nach dem Trubel Siem Reaps gelegen. 
Battambang liegt lediglich 170 Kilometer (ca. 3 Stunden Busfahrt) von Siem Reap entfernt und ist bis zur thailändischen Grenze die einzig größere, wenngleich relativ ruhige Stadt. Alles wirkt verschlafen, nur wenige Geschäfte sind offen und die Sehenswürdigkeiten lassen sich gemütlich an einem halben Tag abklappern. Damit hast du die perfekte Ausrede, um die Tage ruhig anzugehen, lange auszuschlafen und die Seele baumeln zu lassen.


Eine klapprige "Bahnfahrt" und diebische Affen 
Dir steht der Sinn nach mehr Bewegung? Kein Problem. Battambang eignet sich hervorragend für Fahrradtouren in die Umgebung. Einfach ein Fahrrad an der nächsten Ecke für wenig Geld ausleihen und schon kann es losgehen.
Ein schöner Tagesausflug führt dich z. B. zur historischen Bambusbahn Norry, wie sie liebevoll von den Einheimischen genannt wird. Sie zeugt vom Improvisationstalent und Überlebenswillen der Kambodschaner. Ohne Norry gäbe es weder Familienfeste, Einkäufe auf dem Markt noch Besuche beim Arzt. Denn nach wie vor ist das Verkehrsnetz im Land schwach, Straßen gibt es nur wenige. Und so taten sich in den 1980ern ein paar Dutzend Bauern zusammen und zimmerten auf der verrosteten Kolonialtrasse ihren eigenen Zug zusammen. Mittlerweile hat die improvisierte Bahn System, einen Fahrplan und Vorfahrtsregeln. Gegen ein kleines Entgeld nehmen die Draisinenführer dich gerne mit und zeigen dir einen Teil der Strecke. Ein abenteuerliches Erlebnis. Kam uns ein anderer Wagon entgegen, hielten wir an, nahmen die Draisine von der Strecke, warteten und dann ging´s wieder los. Ein riesen Spaß.
Eine andere Tour führt durch Felder und kleine Dörfchen zum Felsen Phnom Sampeau. Die Strecke ist wunderschön, doch die Sonne brennt oft erbarmungslos. Viel Wasser einpacken und einen guten Sonnenhut aufsetzen! Ich war völlig fertig. Doch Stefan lachte und trieb mich weiter an. Vorsicht ist allerdings nicht nur aufgrund der starken Sonne geboten. Mitten auf der Strecke wedelten einige Arbeiter am Wegesrand wie verrückt mit ihren Armen: „Wrong way. Mienengefahr!“ Oh, Oh. Es hieß umdrehen und einen anderen Weg nehmen. Am besten hält man sich an die Einheimischen. Nach gefühlten Stunden erreichst du endlich den Fuß des Berges. Und dann musst du tatsächlich auch noch nach oben krakseln :-). Ohne mich! Erst einmal eine kühle Cola! Das tat gut. Der Weg auf den Gipfel ist dann auch gar nicht so schlimm und der Ausblick belohnt die Mühe. Außerdem gibt es hier oben jede Menge zuckersüße Äffchen. Die haben es allerdings faustig hinter den Ohren. Brillen, Hüte und Kamera festhalten!


Zurück im Ort kannst du dich mit einem tollen Abendessen in dem netten Restaurant "Gecko " verwöhnen. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt, von einheimischen bis zu westlichen Speisen. Für jeden ist etwas dabei. Und dazu ist es ein tolles Projekt, dass jungen Menschen aus unterprivilegierten Familien eine Ausbildung ermöglicht.


"Akrobatik gegen Armut" 
Doch Battambang hat noch ein Ass im Ärmel: den „Circus Battambang“. „Phare Ponleu Selpak“ ist ein gemeinnütziges Projekt, welches mit bedürftigen Kindern, Jugendlichen und deren Familien arbeitet. Unter dem Motto „Akrobatik gegen Armut“ bietet es Kindern, die aus schwierigen Verhältnissen kommen, eine kostenlose Aus- und Weiterbildung in drei künstlerischen Bereichen, darunter eine Zirkusschule mit Theaterprogramm. Einmal pro Woche tritt diese Gruppe auf und zeigt in einem gemütlichen Zirkuszelt ihr Können. Und wir durften dabei sein. Es war unglaublich. Es wird gesprungen, geflogen, gestürzt und aufgefangen. Alles war dabei: Akrobatik, Ausdruckstanz, Theater, Comedy und Musik. Was für eine Show. Wir wurden von der ersten Minute an mitgerissen und am Ende tobte das gesamte Publikum. Dieser Zirkus ist ein Muss, wenn du in Battambang bist!




Nicki
Kambodscha, 15.12.2013

Kommentare:

  1. Die Verspätung tut aber dem tollen Bericht und wunderschönen Foto´s nichts nehmen!!! Weiter so. Bin auf den nächsten schon gespannt. LG aus der Heimat und bis bald !!!

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    1. Danke liebe Griti. Der Nächste kommt ganz bald. Versprochen!
      Liebe Grüße, Nicki

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  2. na die Bahnfahrt könnte mir auch gefallen - besonders das Video hat mir gut gefallen und Lust gemacht. Wie schnell fährt man denn da? Und haben die Teile auch Bremsen? Ich hab keine entdeckt ;-( Und wer hat denn bei entgegenkommenden Verkehr die Vorfahrt? Nach 3-4 mal Wagon auf und abbauen hat man doch auch mal die Nase voll. Wie einigt man sich denn da mit dem anderen. Oder hilft man sich dann gegenseitig beim auf und abbauen? Wirklich interessant. Ich werde so eine Szene auf meiner Modelleisenbahn nachstellen. Die Schienen habe ich ja schon ;-))) Gruß Pappsler

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    1. Na so 40km/h würd ich sagen. Und Bremsen hatten die tatsächlich nicht. Nur ne gute alte Motorbremse. Ich dächte, dass die aus der einen Richtung immer Vorfahrt hatten und die aus anderen mussten abbauen.

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