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Abenteuer im laotischen Dschungel – die Gibbon Experience

Houay Xai, Laos  September 2013



Erster Grenzübergang
Der erste Grenzübergang unserer Asienreise stand bevor: Von Thailand sollte es nach Laos gehen. Wir als Neulinge in Südostasien waren tatsächlich ein wenig aufgeregt. Und so schulterten wir unsere Rucksäcke und machten uns am frühen Morgen auf zur Grenzstadt auf thailändischer Seite  Chiang Khong. Dort checkten wir sozusagen aus Thailand aus und befanden uns anschließend im Niemandsland. Von Laos trennte uns nun nur noch der Mekong, den wir ruck zuck mit einer Fähre überquerten. Angekommen in der Grenzstadt auf laotischer Seite – Houay Xai – ging alles ganz schnell. Unsere Einreise verlief problemlos und heute können wir über unsere Nervosität schmunzeln.  


Aufgeregtheit, die zweite 
Wir checkten im erstbesten Hostel ein und gingen früh schlafen, denn am nächsten Morgen war der große Tag gekommen: Start der Gibbon Experience. Was das ist? Eine dreitägige Trekking-Tour durch den laotischen Regenwald mit zwei Übernachtungen in meterhohen Baumhäusern und Ziplines durch den Dschungel. Es handelt sich dabei um ein Projekt, dass 2004 von einem Franzosen gegründet wurde, um die einheimischen Affen  die Gibbons  und den Regenwald zu schützen. Ehemalige Jäger wurden zu Guides umgeschult, um die Abenteuerlustigen durch den Dschungel zu führen. Mittlerweile sind sieben Dörfer in das Projekt integriert. Mit den Einnahmen werden u. a. Schulen und die Aufforstung des Regenwaldes finanziert.
Das Abenteuer begann mit dem Unterzeichnen eines Dokumentes mit folgendem Inhalt: Sämtliche rechtliche Ansprüche wurden abgetreten und wir erklärten uns bereit, bis zu acht Stunden durch Schlamm und Matsch zu wandern sowie uns in über hundert Metern von Baum zu Baum zu seilen. Nebenbei wurden wir darauf hingewiesen, dass es zu schweren Unfällen und sogar zum Tod kommen kann. Soweit so gut: Meine Angst stieg immer weiter. Doch es gab kein zurück. 

Beschwerliche Anreise
Nach einem kurzen Einleitungsfilm trafen wir unsere Gruppe und wurden auf einen Pick-Up verfrachtet. Zusammen ging´s 1 1/2 Stunden zum Rand des Dschungels. Dort angekommen wechselten wir in einen anderen Geländewagen. Die Straße war der Wahnsinn. Obwohl, eigentlich war es mehr eine Schneise im Wald als eine Straße. Wir fuhren bergauf und bergab, oder nennen wir es eher schlittern, durch zentimeterhohe Pfützen, Schlaglöcher und Spurrillen. Ein Europäer wäre wahrscheinlich nach fünf Minuten verzweifelt. Doch unser Fahrer kämpfte sich Zentimeter für Zentimeter durchs Gelände. Obwohl wir zu elft auf der Ladefläche zusammengepfercht waren, wurden wir ganz schön durchgeschüttelt und flogen umher. Nach weiteren 1 1/2 Stunden Fahrt kamen wir in einem kleinen Dorf an. 



Herzklopfen
Von da an hieß es laufen. Bereits nach wenigen Minuten waren wir vollkommen durchgeschwitzt und völlig fertig. Die Luftfeuchtigkeit war extrem hoch und der Weg aufgeweicht und rutschig. Wir liefen eine gefühlte Ewigkeit, doch dann war sie endlich da  die erste Zipline. Herzklopfen pur. Bevor ich lange nachdenken konnte, stürzte ich mich todesmutig als Erste in die schwindelerregenden Höhen. Zuerst war meine Sicht durch meterhohe Bäume versperrt, doch dann lichtete sich auf einmal das Dickicht und ich überblickte das gesamte Tal. Mein Atem stockte. Schock. Ich will wieder zurück! Leider ausgeschlossen. Also öffnete ich meine Augen wieder, nur ein ganz kleines Stück. Was sich mir eröffnete, ist nicht in Worte zu fassen. Die Aussicht war der Wahnsinn. Im Tal unter mir wucherte der Regenwald, der Himmel leuchtete und die Sonne schien in mein Gesicht. WOW! Viel zu schnell kam ich am anderen Ende an.  
Nach weiteren kurzen Treks und drei Ziplines erreichten wir unser Nachtquartier: ein beeindruckendes Baumhaus mit mehreren Schlafstellen auf drei Etagen verteilt, einer Regenwasserdusche, einem gigantischen Ausblick und das alles in 60 Metern Höhe. Erreichen konnte man das Baumhaus nur über Ziplines. 
Unsere Guides verließen uns am spätem Nachmittag und so waren wir auf uns gestellt. Wir richteten uns gemütlich ein und lauschten den Klängen des Dschungels. Wer denkt, fernab von Großstädten und Zivilisation sei es still, der irrt. Ganz im Gegenteil. Im Dschungel ist es ohrenbetäubend laut! 
Nach einer kurzen Weile wurde uns das Essen über Ziplines gebracht. Es gab Reis mit verschiedenem Gemüse und Fleisch. Bereits um 19:00 Uhr war es stockdunkel. Elektrizität gab es nicht. Bewaffnet mit Taschenlampen hockten wir im Kreis, spielten Kartenspiele und versuchten die Situation zu begreifen: Wir saßen im Dschungel, in 60 Metern Höhe, fernab jeglicher Zivilisation. 



Dschungel, Gibbons und Ziplines – ein ganz normaler Tag
Am nächsten Morgen wurden wir nach einem leckeren Frühstück (Reis und Gemüse) von unseren Guides abgeholt. Wir wanderten den gesamten Tag durch den Dschungel und seilten uns von Baum zu Baum. 
Was das Ganze sogar noch toppte? Wir sichteten in der Ferne die Gibbons! Das war das absolute Highlight, denn nur wenige Gruppen bekommen die Affen zu Gesicht.
Nachdem unsere Guides zu ihrem Dorf zurückgekehrt waren, nutzen wir den gesamten Nachmittag, völlig auf uns gestellt, die Ziplines. Das war der absolute Hammer. Es waren Seile dabei, die über 150 Meter hoch und 500 Meter lang waren. Uns stockte zwar jedes Mal der Atem, doch die Aussicht auf die Berge, den Dschungel und die Wolken war einfach gigantisch. So etwas haben wir noch nie erlebt und können es mit nichts vergleichen. Man muss es einfach selber erlebt haben. Ein unbezahlbarer Tag. 

Das bedeutet nichts Gutes
In der Nacht zum dritten Tag setzte starker Regen ein. Wir wussten gleich, das bedeutet nichts Gutes. Unsere Vermutung wurde von unseren Guides bestätigt: niemand wusste, von wo oder ob uns der Pick-Up überhaupt abholen könne. Also ging es auf direktem Weg über die letzten Ziplines und durchgeweichten Trekkingpfade auf zu dem Dorf, in dem wir an unserem ersten Tag abgesetzt worden waren. Durch den starken Regen machten wir Bekanntschaft mit einigen Blutegeln. Angekommen im Dorf bestanden unsere Guides darauf, dass wir auf den Pick-Up warten würden. Eine Verbindung nach Außen gab es nicht. Die Stunden vergingen und wir beschloßen dem Geländewagen entgegen zu laufen. Das bedeutete allerdings, mit ziemlich leeren Magen (zum Frühstück hatte es nur durchgeweichtes Baguette und Eier gegeben) eine Stunde lang immer nur bergauf zu laufen. Es regnete weiterhin in Strömen, sodass wir vollkommen durchnässt waren. Auf dem Gipfel sollten wir erneut warten. Es gab einen kleinen Unterstand, doch wir waren durchgefrohren, fertig und hungrig. Nach einer weiteren Stunde gaben wir das Warten erneut auf und gingen dem Pick-Up weiter entgegen. Plötzlich hörten wir aus der Ferne das Geräusch eines Autos. Endlich. Doch nein. Zu früh gefreut. Das Auto näherte sich und wir stellten fest, es war voll besetzt. Oh man. Zuerst mussten die Neuankömmlinge ins Dorf gebracht werden, um dort umzukehren und uns einzusammeln zu können. Also liefen wir weiter und weiter und nach mehreren Stunden tauchte der Truck endlich auf. Wir waren überglücklich. Über buckelige Pisten ging´s zurück. Noch ein kurzer Stopp, um unsere leeren Mägen zu füllen (Überraschung, es gab Reis und Gemüse) und dann war es vorbei. Wir kamen am Hostel an. Abends um 19.00 Uhr. Was für ein Tag. Alle wollten nur noch zwei Dinge: eine heiße Dusche und ein leckeres Abendessen. 


Fazit: Unbedingt empfehlenswert! Leicht gruselig, sehr anstrengend und auch nicht ganz günstig. Und doch uneingeschränkt zu empfehlen. Wer allerdings einen netten Waldspaziergang, Gourmet Verpflegung und eine 5 Sterne Unterbringung erwartet, ist definitiv falsch. Für uns war es unvergessliches Erlebnis.


Nicki 
Laos, 10.09.2013

Kommentare:

  1. Hey!

    Ich brauche einen neuen Eintrag!! ;o)

    Ich hoffe, es geht euch gut und ihr kriegt nicht viel mit vom Taifun.

    Ganz liebe Grüße zu euch und eine dicke Umarmung.

    Annuschki

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    1. Mach dir keine Sorgen. Wir arbeiten gerade mit Hochdruck am nächsten Post.
      Im Moment sind wir in Sapa in Nordvietnam. Hier merkt man zum Glück nichts vom Taifun.
      Ich hoffe, wir können bald mal wieder skypen. Fühl dich gedrückt!

      Kommentar vom 5. Oktober 2013 um 00:35

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